Businesspläne and more
Wer bei einem Gründerwettbewerb gewinnen will, muss nicht nur eine tolle Geschäftsidee haben, sondern vor allem die Jury mit seinem Businessplan überzeugen. Worauf die Jury achtet, erfahren Sie hier.
biz-AWARDS sprach mit Timo Glaser, Juror beim Businessplan Wettbewerb Berlin-Brandenburg (BPW BB) und selbst Gründer mit langjähriger Erfahrung.
Glaser ist unter anderem Projektleiter beim Company Consulting Team e.V. (CCT), einer studentischen Unternehmensberatung an der Technischen Universität Berlin, aus der unter anderem das Portal www.meinprof.de ausgegründet wurde. Im Interview spricht er über seine Erfahrungen als Juror und darüber, worauf es bei Businessplänen und ihren Schreibern ankommt.
Das CCT ist Kooperationspartner des Gründerwettbewerbs. Ich habe also schon einige Businesspläne gelesen – und auch selbst geschrieben.
Warum hast Du gegründet?
Ich denke, einfach aus einer Art Gründermentalität heraus. Ich war nach meinem Studium zwei Jahre in China und habe gemerkt, dass ich nicht in feste Strukturen eingebunden sein will.
Ich wollte etwas Eigenes aufbauen, verändern können und auch mal dann arbeiten, wenn ich es möchte: ab Mittags, mal bis 4 Uhr früh oder auch mal gar nicht, wenn mir danach ist.
Freiheit und Selbstverwirklichung sind mir unheimlich wichtig: Deshalb habe ich unter anderem die Peritor Wissensmanagement GmbH mitgegründet. Und die Erfahrungen, die ich gesammelt habe, will ich an andere Gründer weitergeben.
In der zweiten Stufe habe ich etwa zweieinhalb Stunden für einen BP gebraucht – in der ersten etwas weniger, in der dritten wird es wohl mehr sein.
Wie gehst Du dabei vor?
Erst schaue ich mir den BP grob an und gehe dann detailliert jeden Bereich durch. Dabei schreibe ich Anmerkungen und Verbesserungsvorschläge am Rand mit auf. Der Gründer bekommt den BP am Ende wieder und kann dann hoffentlich etwas aus den Anmerkungen ziehen.
Auf verschiedene Aspekte des BP erhalten die Gründer eine Punktzahl zwischen 1 und 10: umso höher, umso besser. Am Ende wird die Gesamtpunktzahl zusammengezählt und mit der des anderen Jurors addiert. Das ist dann die Punktzahl für den gesamten Businessplan und Grundlage des Ergebnisses der Stufe.
Ein gutes Team wird auch aus einer schlechten Idee etwas Gutes machen können – ein schlechtes Team schafft es, selbst bei einer guten Idee, wahrscheinlich nicht.
Oft fehlt es den Gründern an Erfahrungen in bestimmten Bereichen, die nicht mit anderen aufgewogen werden können. Einige Gründer täuschen deshalb Erfahrungen vor, die sie gar nicht haben. Wer selbst erst 25 ist und 50- bis 60-Jährigen jahrzehntelange Erfahrungen vormachen will, wird bitter enttäuscht werden.
Schwächen gibt es schließlich in jeder Gründung und bei jedem Gründer. Die sollten auch aufgezeigt werden. Schließlich lassen sie sich kompensieren, beispielsweise durch externe Dienstleister, weitere Gründer oder kompetente Studenten (z.B. Design der Internetseite).
Was war die haarsträubendste Geschichte in einem Businessplan, den Du bisher gelesen hast?
Bei einer Internetdienstleistung wurde als primäre Zielgruppe Leute in Krankenhäusern und Hotels angegeben.
Was die Gründer nicht bedacht hatten: An diesen Orten gibt es häufig gar keinen Zugang zum Internet. Ergo: Die Voraussetzung für das Geschäft fehlt. Ziemlich dumm gelaufen.
Was sollte das Gründerteam auf jeden Fall noch mitbringen?
Wichtig ist, früh mit den potenziellen Kunden in Kontakt zu treten: Rausgehen, mit ihnen sprechen und, was am besten ist, das Produkt gemeinsam mit ihnen entwickeln.
Zudem braucht es viel persönliche Affinität zum Produkt oder zur Dienstleistung. Jemand, der sich nicht für Computerspiele begeistert, wird sich mit einer Gründung in diesem Bereich sehr schwer tun.
Oft wird auch gedacht, man müsse nach dem Start gleich viel Geld von Investoren an Land ziehen. Mit viel Geld ist die Steuerung des Geschäfts am Anfang aber schwieriger. Ein wenig "Bootstrapping" kann nicht schaden.
Das ist im Web-Bereich sicher einfacher als in der Medizintechnik oder dem Maschinenbau. Ein gutes Netzwerk hilft aber dabei: So lassen sich beispielsweise günstige Büroräume auftreiben.
Der Grund hierfür liegt darin, dass die Geschäftszahlen im BP meistens unrealistisch sind. Sie lassen sich nur sehr schlecht planen. Der BP zeigt aber, ob sich der Gründer Gedanken über das Geldverdienen gemacht hat. Und das wird von Investoren honoriert.
Zum Schluss: Welche 5 Tipps würdest Du Gründern mit auf den Weg geben?
Tipp 1: Redet früh mit euren Kunden und entwickelt das Produkt mit ihnen zusammen.
Tipp 2: Gründet nicht für das Geld, sondern für eure Idee – und seid dabei euer erster Kunde.
Tipp 3: Unterschätzt den Wert des Marketings nicht – eine Idee allein reicht nicht.
Tipp 4: Lasst euch beraten, coachen und nutzt Förderprogramme.
Und Tipp 5: Seid ehrlich, authentisch und steht zu euren Schwächen.
Vita Timo Glaser
Timo Glaser hat Informatik in Berlin und Shanghai studiert. Seit 2003 ist er Mitarbeiter und Projektleiter beim Company Consulting Team, der studentischen Unternehmensberatung in Berlin.
Bereits während seines Studiums hat er, gemeinsam mit Kommilitonen, mehrere Unternehmen gegründet, unter anderem die Peritor Wissensmanagement GmbH. Derzeit ist er Doktorand und Lehrbeauftragter an der Technischen Universität Berlin und betreut eine Reihe von Web 2.0 Start-ups.
Links
• Timo Glaser Xing-Profil
• Company Consulting Team e.V.
• Peritor Wisssensmanagement GmbH
• 7 Fragen an Anton Levitskij, XiLLer GmbH
• Buchtipp: Businessplan-Mappe
• Wettbewerbe contra Netzwerk?
• Gründerwettbewerbe im Überblick
Dem Juror über die Schulter geschaut

Timo Glaser (Foto: biz- AWARDS)
biz-AWARDS sprach mit Timo Glaser, Juror beim Businessplan Wettbewerb Berlin-Brandenburg (BPW BB) und selbst Gründer mit langjähriger Erfahrung.
Glaser ist unter anderem Projektleiter beim Company Consulting Team e.V. (CCT), einer studentischen Unternehmensberatung an der Technischen Universität Berlin, aus der unter anderem das Portal www.meinprof.de ausgegründet wurde. Im Interview spricht er über seine Erfahrungen als Juror und darüber, worauf es bei Businessplänen und ihren Schreibern ankommt.
Hallo Timo, seit wann bist Du Juror beim BPW BB?
Ich bin seit diesem Jahr Juror beim BPW BB, aber über das CCT schon seit vier Jahren mit dem Wettbewerb verbunden.Das CCT ist Kooperationspartner des Gründerwettbewerbs. Ich habe also schon einige Businesspläne gelesen – und auch selbst geschrieben.
Warst Du selbst schon mal Teilnehmer?
Teilnehmer war ich noch nicht, habe aber bereits mehrfach gegründet (siehe Vita, Anm. der Red.) und bin seit diesem Jahr Lehrbeauftragter für Entrepreneurship an der TU Berlin.Warum hast Du gegründet?
Ich denke, einfach aus einer Art Gründermentalität heraus. Ich war nach meinem Studium zwei Jahre in China und habe gemerkt, dass ich nicht in feste Strukturen eingebunden sein will.
Ich wollte etwas Eigenes aufbauen, verändern können und auch mal dann arbeiten, wenn ich es möchte: ab Mittags, mal bis 4 Uhr früh oder auch mal gar nicht, wenn mir danach ist.
Freiheit und Selbstverwirklichung sind mir unheimlich wichtig: Deshalb habe ich unter anderem die Peritor Wissensmanagement GmbH mitgegründet. Und die Erfahrungen, die ich gesammelt habe, will ich an andere Gründer weitergeben.
Wie viel Aufwand macht die Jurorenarbeit?
In jeder Stufe begutachten zwei Juroren unabhängig voneinander die Businesspläne (BP). In den ersten beiden Stufen waren es bei mir jeweils fünf Bewertungen.In der zweiten Stufe habe ich etwa zweieinhalb Stunden für einen BP gebraucht – in der ersten etwas weniger, in der dritten wird es wohl mehr sein.
Wie gehst Du dabei vor?
Erst schaue ich mir den BP grob an und gehe dann detailliert jeden Bereich durch. Dabei schreibe ich Anmerkungen und Verbesserungsvorschläge am Rand mit auf. Der Gründer bekommt den BP am Ende wieder und kann dann hoffentlich etwas aus den Anmerkungen ziehen.
Auf verschiedene Aspekte des BP erhalten die Gründer eine Punktzahl zwischen 1 und 10: umso höher, umso besser. Am Ende wird die Gesamtpunktzahl zusammengezählt und mit der des anderen Jurors addiert. Das ist dann die Punktzahl für den gesamten Businessplan und Grundlage des Ergebnisses der Stufe.
Auf was achtest Du beim Lesen am meisten?
Das Wichtigste für mich ist, dass das Gründer-Team in der Lage sein muss, seine Idee auch umzusetzen.Ein gutes Team wird auch aus einer schlechten Idee etwas Gutes machen können – ein schlechtes Team schafft es, selbst bei einer guten Idee, wahrscheinlich nicht.
Oft fehlt es den Gründern an Erfahrungen in bestimmten Bereichen, die nicht mit anderen aufgewogen werden können. Einige Gründer täuschen deshalb Erfahrungen vor, die sie gar nicht haben. Wer selbst erst 25 ist und 50- bis 60-Jährigen jahrzehntelange Erfahrungen vormachen will, wird bitter enttäuscht werden.
Schwächen gibt es schließlich in jeder Gründung und bei jedem Gründer. Die sollten auch aufgezeigt werden. Schließlich lassen sie sich kompensieren, beispielsweise durch externe Dienstleister, weitere Gründer oder kompetente Studenten (z.B. Design der Internetseite).
Was war die haarsträubendste Geschichte in einem Businessplan, den Du bisher gelesen hast?
Bei einer Internetdienstleistung wurde als primäre Zielgruppe Leute in Krankenhäusern und Hotels angegeben.
Was die Gründer nicht bedacht hatten: An diesen Orten gibt es häufig gar keinen Zugang zum Internet. Ergo: Die Voraussetzung für das Geschäft fehlt. Ziemlich dumm gelaufen.
Und an welchen Businessplan erinnerst Du Dich gerne?
In der ersten Stufe des BPW BB hatte ich einen Businessplan, der ziemlich schlecht war. In der zweiten Stufe haben die Gründer dann richtig nachgearbeitet und sich viel besser dargestellt. Das hat sich dann auch ausgezahlt: Sie landeten unter den ersten Drei.Was sollte das Gründerteam auf jeden Fall noch mitbringen?
Wichtig ist, früh mit den potenziellen Kunden in Kontakt zu treten: Rausgehen, mit ihnen sprechen und, was am besten ist, das Produkt gemeinsam mit ihnen entwickeln.
Zudem braucht es viel persönliche Affinität zum Produkt oder zur Dienstleistung. Jemand, der sich nicht für Computerspiele begeistert, wird sich mit einer Gründung in diesem Bereich sehr schwer tun.
Oft wird auch gedacht, man müsse nach dem Start gleich viel Geld von Investoren an Land ziehen. Mit viel Geld ist die Steuerung des Geschäfts am Anfang aber schwieriger. Ein wenig "Bootstrapping" kann nicht schaden.
Das ist im Web-Bereich sicher einfacher als in der Medizintechnik oder dem Maschinenbau. Ein gutes Netzwerk hilft aber dabei: So lassen sich beispielsweise günstige Büroräume auftreiben.
Wie sollte der Businessplan eingesetzt werden?
Der BP ist aus meiner Sicht eher ein Kommunikationsmittel als ein Planungsinstrument – Kommunikationsmittel für das eigene Team sowie für Banken, Investoren und Business Angels.Der Grund hierfür liegt darin, dass die Geschäftszahlen im BP meistens unrealistisch sind. Sie lassen sich nur sehr schlecht planen. Der BP zeigt aber, ob sich der Gründer Gedanken über das Geldverdienen gemacht hat. Und das wird von Investoren honoriert.
Zum Schluss: Welche 5 Tipps würdest Du Gründern mit auf den Weg geben?
Tipp 1: Redet früh mit euren Kunden und entwickelt das Produkt mit ihnen zusammen.
Tipp 2: Gründet nicht für das Geld, sondern für eure Idee – und seid dabei euer erster Kunde.
Tipp 3: Unterschätzt den Wert des Marketings nicht – eine Idee allein reicht nicht.
Tipp 4: Lasst euch beraten, coachen und nutzt Förderprogramme.
Und Tipp 5: Seid ehrlich, authentisch und steht zu euren Schwächen.
Danke für das Interview.
Vita Timo Glaser
Timo Glaser hat Informatik in Berlin und Shanghai studiert. Seit 2003 ist er Mitarbeiter und Projektleiter beim Company Consulting Team, der studentischen Unternehmensberatung in Berlin.
Bereits während seines Studiums hat er, gemeinsam mit Kommilitonen, mehrere Unternehmen gegründet, unter anderem die Peritor Wissensmanagement GmbH. Derzeit ist er Doktorand und Lehrbeauftragter an der Technischen Universität Berlin und betreut eine Reihe von Web 2.0 Start-ups.
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• Timo Glaser Xing-Profil
• Company Consulting Team e.V.
• Peritor Wisssensmanagement GmbH
• 7 Fragen an Anton Levitskij, XiLLer GmbH
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