Deutscher Gründerpreis
Starkes Führungsteam statt One-Man-Show
Wie sich ein Kaufmann, ein Musiker und ein Techniker im Ableton-Vorstand ergänzen
Berlin-Prenzlauer Berg, am frühen Abend: Gewitterwolken ziehen über den Hinterhof eines ehemaligen Fabrikgebäudes und verdunkeln ein Büro im dritten Stock. Darin sitzt Jan Bohl und rückt seine schwarze Kunststoff-Brille zurecht.
Er blickt aus dem Fenster, dann zur Tür und wieder auf seinen Schreibtisch – als suche er nach den richtigen Worten: "Entscheidend ist, dass man demütig bleibt und Respekt hat vor dem Wissen der Anderen."
Die Anderen, das sind Gerhard Behles und Bernd Roggendorf. Zusammen bilden sie das Vorstandstrio des Berliner Musiksoftware-Unternehmens Ableton, Sieger diverser Wettbewerbe und unter anderem Finalist beim Deutschen Gründerpreis 2004.

Die Vorstände der Ableton AG: Jan Bohl (li.), Bernd Roggendorf und Gerhard Behles.
Der Kaufmann, der Musiker und der Techniker
Bohl ist Chief Financial Officer (CFO), bezeichnet sich aber lieber als Kaufmann. Er ist zuständig für alle kommerziellen Belange wie Sales, Finanzen, Logistik, Operations oder Human Ressources.
Behles ist der Musiker, der Stratege, der Visionär: Als Chief Executive Officer (CEO) ist er zuständig für Produktmanagement, Unternehmenskommunikation und Konzeption. Der Dritte im Bunde ist Chief Technical Officer (CTO) Roggendorf – verantwortlich für Entwicklung und Umsetzung. Bohl nennt ihn: den Techniker.
Kaufmann, Musiker und Techniker – das hält Bohl für eine gute Kombination: Eine Führung, die auf verschiedenen Kompetenzen basiert, sei sinnvoller als eine One-Man-Show – gerade im Technologie-Bereich. "Denn ein begabter Entwickler weiß nicht unbedingt, wie er ein Netz aus Distributoren und Händlern optimiert. Und ich werde auch kein Musiker mehr."
Wichtig sei es, die gegenseitigen Kompetenzen zu respektieren: "Man sollte sich nicht anmaßen, in allen Fragen mitreden zu können."
Gewachsene Kompetenzen
Die drei Vorstände treffen sich wöchentlich zum informellen Lunch. Dort tauschen sie sich über die neuesten Entwicklungen aus. Alle zwei Wochen gibt es dann eine formelle Vorstandssitzung.
Die Verteilung der Kompetenzen hat sich über die Jahre eingespielt. "Früher haben wir über 500-Euro-Ausgaben noch gemeinsam entschieden", sagt Bohl.
Heute wird je nach Tragweite zusammen oder allein beschlossen: "Angenommen, ein Distributor in Skandinavien soll ausgetauscht werden. Dann habe ich am Ende die alleinige Entscheidungsgewalt. Bei der gleichen Situation in einem absatzstärkeren Land – etwa England – involviere ich meine Partner."
Regeln für eine Vorstandsentscheidung gebe es nicht. "Wir haben kein Handbuch, in dem festgelegt ist, wann wir gemeinsam entscheiden – jeder hat ein Gefühl dafür entwickelt. Das hat natürlich mit dem Vertrauen zu tun, das über die Zeit gewachsen ist."
Hohe Anforderungen – wenig Fluktuation
Auch die Personalpolitik bleibt bei Ableton Chefsache: "Es gibt keinen Praktikanten, keinen Azubi, der angestellt wird, ohne dass wenigstens ein Vorstand ihn kennen gelernt hat. Bei wichtigeren Positionen sind es sogar zwei und bei neuen Direktoren alle drei."
An die Qualität der Mitarbeiter stellt das Unternehmen hohe Anforderungen. Alle Bewerber durchlaufen ein Testprogramm: "Ein Software-Entwickler bekommt von uns eine technische Aufgabe", erklärt Bohl.
"Auf Basis seiner Lösung entscheiden wir, ob wir ihn zum Bewerbungsgespräch einladen oder nicht." Dort warten weitere Übungen auf den Kandidaten – zum Beispiel eine Fallstudie. Auch kaufmännische Bewerber müssen mindestens zwei bis drei Interviewrunden überstehen.
Diese Art der Personalgewinnung sei zwar umständlich und mitunter langwierig – und damit ein Wachstumshemmnis. Die Vorteile überwögen aber: "Es kommen gute Leute an Bord und es gibt wenig Fluktuation." Und das Wichtigste: "Gute Leute wollen mit guten Leuten zusammenarbeiten."
Das passt bei Ableton auch zum Prinzip Boutique-Politik: "Lieber klein und effizient als Wachstum um jeden Preis." So erhält sich eine familiäre Atmosphäre – auch zwischen den drei Vorständen. "Ohne Sympathie geht es auch gar nicht, wir sind ja bald zehn Jahre zusammen", sagt Bohl. "Das ist wie in einer Beziehung", fügt er noch hinzu und lässt seinen Blick wieder schweifen.
Zum Unternehmen
Die Berliner Ableton AG wurde 1999 gegründet und beschäftigt heute rund hundert Mitarbeiter. Das Unternehmen entwickelt und vermarktet Musik-Software für Musiker, DJs und Produzenten. Aushängeschild ist das 2001 eingeführte Programm Ableton Live, das das Komponieren und Improvisieren in Echtzeit ermöglicht.
Kontakt
Schönhauser Allee 6-7
D-10119 Berlin
contact@ableton.com
www.ableton.com
Berlin-Prenzlauer Berg, am frühen Abend: Gewitterwolken ziehen über den Hinterhof eines ehemaligen Fabrikgebäudes und verdunkeln ein Büro im dritten Stock. Darin sitzt Jan Bohl und rückt seine schwarze Kunststoff-Brille zurecht.
Er blickt aus dem Fenster, dann zur Tür und wieder auf seinen Schreibtisch – als suche er nach den richtigen Worten: "Entscheidend ist, dass man demütig bleibt und Respekt hat vor dem Wissen der Anderen."
Die Anderen, das sind Gerhard Behles und Bernd Roggendorf. Zusammen bilden sie das Vorstandstrio des Berliner Musiksoftware-Unternehmens Ableton, Sieger diverser Wettbewerbe und unter anderem Finalist beim Deutschen Gründerpreis 2004.

Die Vorstände der Ableton AG: Jan Bohl (li.), Bernd Roggendorf und Gerhard Behles.
Der Kaufmann, der Musiker und der Techniker
Bohl ist Chief Financial Officer (CFO), bezeichnet sich aber lieber als Kaufmann. Er ist zuständig für alle kommerziellen Belange wie Sales, Finanzen, Logistik, Operations oder Human Ressources.
Behles ist der Musiker, der Stratege, der Visionär: Als Chief Executive Officer (CEO) ist er zuständig für Produktmanagement, Unternehmenskommunikation und Konzeption. Der Dritte im Bunde ist Chief Technical Officer (CTO) Roggendorf – verantwortlich für Entwicklung und Umsetzung. Bohl nennt ihn: den Techniker.
Kaufmann, Musiker und Techniker – das hält Bohl für eine gute Kombination: Eine Führung, die auf verschiedenen Kompetenzen basiert, sei sinnvoller als eine One-Man-Show – gerade im Technologie-Bereich. "Denn ein begabter Entwickler weiß nicht unbedingt, wie er ein Netz aus Distributoren und Händlern optimiert. Und ich werde auch kein Musiker mehr."
Wichtig sei es, die gegenseitigen Kompetenzen zu respektieren: "Man sollte sich nicht anmaßen, in allen Fragen mitreden zu können."
Gewachsene Kompetenzen
Die drei Vorstände treffen sich wöchentlich zum informellen Lunch. Dort tauschen sie sich über die neuesten Entwicklungen aus. Alle zwei Wochen gibt es dann eine formelle Vorstandssitzung.
Die Verteilung der Kompetenzen hat sich über die Jahre eingespielt. "Früher haben wir über 500-Euro-Ausgaben noch gemeinsam entschieden", sagt Bohl.
Heute wird je nach Tragweite zusammen oder allein beschlossen: "Angenommen, ein Distributor in Skandinavien soll ausgetauscht werden. Dann habe ich am Ende die alleinige Entscheidungsgewalt. Bei der gleichen Situation in einem absatzstärkeren Land – etwa England – involviere ich meine Partner."
Regeln für eine Vorstandsentscheidung gebe es nicht. "Wir haben kein Handbuch, in dem festgelegt ist, wann wir gemeinsam entscheiden – jeder hat ein Gefühl dafür entwickelt. Das hat natürlich mit dem Vertrauen zu tun, das über die Zeit gewachsen ist."
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Auch die Personalpolitik bleibt bei Ableton Chefsache: "Es gibt keinen Praktikanten, keinen Azubi, der angestellt wird, ohne dass wenigstens ein Vorstand ihn kennen gelernt hat. Bei wichtigeren Positionen sind es sogar zwei und bei neuen Direktoren alle drei."
An die Qualität der Mitarbeiter stellt das Unternehmen hohe Anforderungen. Alle Bewerber durchlaufen ein Testprogramm: "Ein Software-Entwickler bekommt von uns eine technische Aufgabe", erklärt Bohl.
"Auf Basis seiner Lösung entscheiden wir, ob wir ihn zum Bewerbungsgespräch einladen oder nicht." Dort warten weitere Übungen auf den Kandidaten – zum Beispiel eine Fallstudie. Auch kaufmännische Bewerber müssen mindestens zwei bis drei Interviewrunden überstehen.
Diese Art der Personalgewinnung sei zwar umständlich und mitunter langwierig – und damit ein Wachstumshemmnis. Die Vorteile überwögen aber: "Es kommen gute Leute an Bord und es gibt wenig Fluktuation." Und das Wichtigste: "Gute Leute wollen mit guten Leuten zusammenarbeiten."
Das passt bei Ableton auch zum Prinzip Boutique-Politik: "Lieber klein und effizient als Wachstum um jeden Preis." So erhält sich eine familiäre Atmosphäre – auch zwischen den drei Vorständen. "Ohne Sympathie geht es auch gar nicht, wir sind ja bald zehn Jahre zusammen", sagt Bohl. "Das ist wie in einer Beziehung", fügt er noch hinzu und lässt seinen Blick wieder schweifen.
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Kontakt
Schönhauser Allee 6-7
D-10119 Berlin
contact@ableton.com
www.ableton.com
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