Deutscher Gründerpreis
17. Juni, kurz vor 19.00 Uhr: Die Stimmung im Berliner Zollernhof ist erwartungsvoll und gespannt. Die Fotografen bringen sich vor dem roten Teppich in Position und checken ein letztes Mal ihre Ausrüstung.
Batterien werden ausgetauscht, Stative und Blitzlichter noch einmal ausgerichtet. Ein letzter Blick auf die Uhr: In wenigen Momenten werden die ersten prominenten Gäste bei der Preisverleihung des Deutschen Gründerpreises 2008 erwartet.
Schon erreichen die ersten bekannten Gesichter den Teppich. Sofort erhellt Blitzlicht-Gewitter das Halbdunkel des ZDF-Hauptstadtstudios. Die Posen der Protagonisten sind routiniert und eingespielt, die Anweisungen der Fotoreporter im Grunde überflüssig. Fast vergessen ist, dass es sich bei den Bild-Objekten der Begierde lediglich um die Gäste handelt. Die Frage stellt sich also: Wer sind die eigentlichen Protagonisten des Abends?
Hauptdarsteller mit Namensschild
Christoph Ballin bleibt trotz seines Namenschildes nahezu unbemerkt. Das Interesse der Medien-Vertreter gilt den Personen, die kein Namensschild brauchen. Der promovierte Betriebswirt ist mit dem Unternehmen Torqeedo GmbH in der Kategorie Start-up nominiert und wird einer der Hauptdarsteller des Abends sein.
Er nähert sich einem Tablett und greift sich ein Wasserglas. Höflich stellt er sich vor und ist überrascht, als man ihn erkennt – vielleicht auch ein wenig geschmeichelt. Ballin weiß noch nicht, dass er später den ersten Preis entgegennimmt und damit selbst in den Fokus der Fotografen und Interviewer gerät.
"Nervös bin ich nicht", gibt er sich locker gegenüber biz-AWARDS. Die Gesten sprechen eine andere Sprache. Sein Blick sucht Bestätigung bei seiner Begleitung, die Sätze wirken einstudiert: Der Abend biete eine schöne Möglichkeit, das Produkt auch bei einem Nicht-Fachpublikum bekannt zu machen. Der Standort Deutschland gewähre hervorragende Voraussetzungen, so sein Kommentar.
Gewinner abseits des Medien-Interesses
Auch Dirk Haft, Mit-Gründer der Attocube GmbH, hat sich inzwischen einen Weg zu den Stehtischen gebahnt. Er lässt seinen Blick durch den Raum kreisen. Noch abseits des Presse-Interesses wird auch er später Rede und Antwort stehen müssen – als Sieger in der Kategorie Aufsteiger.
Dagegen weiß das Team Education Electronics bereits, dass es als Sieger in der Kategorie Schüler feststeht. Gegenüber biz-Awards sehen sich die Nachwuchs-Gründer eher in der Zuschauer-Rolle: "Wir schauen uns die Preisverleihung jetzt ganz entspannt an." Später auf der Bühne wird den Schülern der erneute Auftritt trotzdem mächtig unter die Haut gehen.
Ein paar Meter weiter erledigen die Medien-Profis ihre Routine: Schwimmerin Franziska van Almsick beantwortet Fragen vor einer Fernseh-Kamera, Grünen-Chef Bütikofer spricht in ein Mikrofon.
Vorderbühne vs. Hinterbühne
Abseits der Vorderbühne geraten die Darsteller der Hinterbühne allmählich in Stress: Für die Service-Kräfte wird es immer schwieriger, die gefüllten Tabletts an den gut sitzenden Anzügen, Kleidchen und Frisuren vorbei zu schieben.
Selbst der Mann mit dem Knopf im Ohr packt jetzt mit an, räumt leere Getränkegläser ab, bahnt Schneisen durch die Menschenmenge und gibt Anweisungen.
Dann wird es hektisch: Als die Zuschauer ihre Plätze einnehmen werden die Steh-Tische eilig beiseite geräumt und zusätzliche Stühle aufgestellt. Alles eine Frage von Minuten: Mit Beginn der Fernseh-Aufzeichnung sind alle Hindernisse beseitigt, alle Kamerawege frei gemacht und alle Plätze gefunden.
Während sich für die Service-Kräfte ein Moment des Durchatmens bietet, leisten die Kamera-Leute nun Schwerstarbeit. Kamerakräne und dicke Kabel werden flink und geräuschlos durch den Saal bewegt, um das perfekte Fernseh-Bild einzufangen.
Protagonisten wider Willen
Plötzlich Unruhe auf den hinteren Plätzen: Henry Maske und seine Frau Manuela haben sich verspätet – nicht unbemerkt von den Fotografen. "Noch einmal. Bitte noch einmal lächeln." Medien-Profi Maske kennt die Vorderbühne genau und tut, wie ihm geheißen.
Weniger ihrer Rolle bewusst sind sich die Musiker der Deutschen Kammerphilharmonie Bremen. Als ihnen der Sonderpreis verliehen wird, müssen sie gleich zweimal auf die Bühne gebeten werden, bis ihnen ihre Hauptrolle bewusst wird.
Erst nach der Verleihung stehen auch die Wettbewerbs-Sieger im verdienten Rampenlicht. Immer wieder müssen die Preisträger posieren, ihre Trophäen vorzeigen und in Mikrofone sprechen.
In der Zwischenzeit haben die Service-Kräfte wieder ihre Arbeit aufgenommen: Stehtische werden aufgestellt, ein Büffet aufgebaut, die Kellner bieten kleine Häppchen an: Risotto, Beef, kleine Süppchen.
Denn mögen die Prominenten auf dem roten Teppich glänzen und die Deutschen Gründerpreis-Träger sich ihre verdienten Lorbeeren abholen. Die Helden dieses Abends stehen nicht nur auf der Bühne, sondern auch dahinter.
Selbst um 22.30 Uhr sehen sie noch nach dem Rechten – noch immer mit perfektem Lächeln und gefüllten Tabletts. "Die geben sich hier ja ganz schön Mühe", sagt ein Gast und nimmt sich noch ein Risotto-Schälchen.
Kategorie Lebenswerk:
Berthold Leibinger
In 50 Jahren arbeitete Berthold Leibinger sich bei dem Maschinenbau-Unternehmen Trumpf vom Lehrling zum Inhaber hoch und engagiert sich für das Gemeinwohl.
Kategorie Sonderpreis:
Deutsche Kammerphilharmonie, Bremen
Das Orchester gründete sich als GmbH und erwirtschaftet rund 60 Prozent seiner Umsätze selbst. Dazu engagieren sich die Musiker für Kinder und Jugendliche in einem sozialen Brennpunkt in Bremen. Ausgezeichnet wird die erfolgreiche Verbindung von Kultur und Unternehmertum
Kategorie Start-up:
Torqeedo GmbH, Starnberg
Die Gründer entwickelten einen neuartigen Elektromotor für Boote. Im Gegensatz zu den konventionellen Motoren sind diese leichter, leistungsfähiger und umweltfreundlicher.
Kategorie Aufsteiger:
Attocube Systems AG, München
Das Unternehmen stellt Minigeräte für den Nanobereich her, die auch bei niedrigsten Temperaturen mit höchster Präzision arbeiten. Den Preis erhält Attocube Systems für schnelles Wachstum und das Schaffen vieler Arbeitsplätze.
Kategorie Schüler:
Education Electronics, Petershagen
Die Gymnasiasten siegten beim Gründerpreis-Planspiel mit einem Chip, der Diabetikern unter die Haut transplantiert wird und zuverlässige Blutzuckerwerte liefert.
Autor: Arne Wellding
Die Helden der Bühne – davor und dahinter

Nicht nur beim Comeback ließ er sich Zeit: Henry Maske auf dem Deutschen Gründerpreis. (Foto: bA)
Batterien werden ausgetauscht, Stative und Blitzlichter noch einmal ausgerichtet. Ein letzter Blick auf die Uhr: In wenigen Momenten werden die ersten prominenten Gäste bei der Preisverleihung des Deutschen Gründerpreises 2008 erwartet.
Begierden im Blitzlicht-Gewitter
Hinter den Linien der Fotografen stehen die Service-Kräfte – auf dem Gesicht ein perfektes Lächeln, in der Hand ein Tablett mit Begrüßungsdrinks. Ein Mann mit Knopf im Ohr erteilt letzte Anweisungen. Die Order ist unmissverständlich: "Tabletts niemals abstellen!"Schon erreichen die ersten bekannten Gesichter den Teppich. Sofort erhellt Blitzlicht-Gewitter das Halbdunkel des ZDF-Hauptstadtstudios. Die Posen der Protagonisten sind routiniert und eingespielt, die Anweisungen der Fotoreporter im Grunde überflüssig. Fast vergessen ist, dass es sich bei den Bild-Objekten der Begierde lediglich um die Gäste handelt. Die Frage stellt sich also: Wer sind die eigentlichen Protagonisten des Abends?
Hauptdarsteller mit Namensschild
Christoph Ballin bleibt trotz seines Namenschildes nahezu unbemerkt. Das Interesse der Medien-Vertreter gilt den Personen, die kein Namensschild brauchen. Der promovierte Betriebswirt ist mit dem Unternehmen Torqeedo GmbH in der Kategorie Start-up nominiert und wird einer der Hauptdarsteller des Abends sein.
Er nähert sich einem Tablett und greift sich ein Wasserglas. Höflich stellt er sich vor und ist überrascht, als man ihn erkennt – vielleicht auch ein wenig geschmeichelt. Ballin weiß noch nicht, dass er später den ersten Preis entgegennimmt und damit selbst in den Fokus der Fotografen und Interviewer gerät.
"Nervös bin ich nicht", gibt er sich locker gegenüber biz-AWARDS. Die Gesten sprechen eine andere Sprache. Sein Blick sucht Bestätigung bei seiner Begleitung, die Sätze wirken einstudiert: Der Abend biete eine schöne Möglichkeit, das Produkt auch bei einem Nicht-Fachpublikum bekannt zu machen. Der Standort Deutschland gewähre hervorragende Voraussetzungen, so sein Kommentar.
Gewinner abseits des Medien-Interesses

Haft(et) gut in der Hand: Die Siegertrophäe. (Foto: bA)
Dagegen weiß das Team Education Electronics bereits, dass es als Sieger in der Kategorie Schüler feststeht. Gegenüber biz-Awards sehen sich die Nachwuchs-Gründer eher in der Zuschauer-Rolle: "Wir schauen uns die Preisverleihung jetzt ganz entspannt an." Später auf der Bühne wird den Schülern der erneute Auftritt trotzdem mächtig unter die Haut gehen.
Ein paar Meter weiter erledigen die Medien-Profis ihre Routine: Schwimmerin Franziska van Almsick beantwortet Fragen vor einer Fernseh-Kamera, Grünen-Chef Bütikofer spricht in ein Mikrofon.
Vorderbühne vs. Hinterbühne

Für das leibliche Wohl war stets gut gesorgt. (Foto: bA)
Selbst der Mann mit dem Knopf im Ohr packt jetzt mit an, räumt leere Getränkegläser ab, bahnt Schneisen durch die Menschenmenge und gibt Anweisungen.
Dann wird es hektisch: Als die Zuschauer ihre Plätze einnehmen werden die Steh-Tische eilig beiseite geräumt und zusätzliche Stühle aufgestellt. Alles eine Frage von Minuten: Mit Beginn der Fernseh-Aufzeichnung sind alle Hindernisse beseitigt, alle Kamerawege frei gemacht und alle Plätze gefunden.
Während sich für die Service-Kräfte ein Moment des Durchatmens bietet, leisten die Kamera-Leute nun Schwerstarbeit. Kamerakräne und dicke Kabel werden flink und geräuschlos durch den Saal bewegt, um das perfekte Fernseh-Bild einzufangen.
Protagonisten wider Willen
Plötzlich Unruhe auf den hinteren Plätzen: Henry Maske und seine Frau Manuela haben sich verspätet – nicht unbemerkt von den Fotografen. "Noch einmal. Bitte noch einmal lächeln." Medien-Profi Maske kennt die Vorderbühne genau und tut, wie ihm geheißen.
Weniger ihrer Rolle bewusst sind sich die Musiker der Deutschen Kammerphilharmonie Bremen. Als ihnen der Sonderpreis verliehen wird, müssen sie gleich zweimal auf die Bühne gebeten werden, bis ihnen ihre Hauptrolle bewusst wird.
Erst nach der Verleihung stehen auch die Wettbewerbs-Sieger im verdienten Rampenlicht. Immer wieder müssen die Preisträger posieren, ihre Trophäen vorzeigen und in Mikrofone sprechen.
In der Zwischenzeit haben die Service-Kräfte wieder ihre Arbeit aufgenommen: Stehtische werden aufgestellt, ein Büffet aufgebaut, die Kellner bieten kleine Häppchen an: Risotto, Beef, kleine Süppchen.
Helden der Arbeit
Viel Arbeit hat auch Berthold Leibinger in den 50 Jahren geleistet, in denen er sich bei dem Maschinenbau-Unternehmen Trumpf vom Lehrling zum Inhaber hochgearbeitet hat. Der Unternehmer wird an diesem Abend für sein Lebenswerk ausgezeichnet. Großen Respekt habe er vor Leuten, die sich mühen, sagt Leibinger und klärt damit die Frage nach den Helden des Abends.Denn mögen die Prominenten auf dem roten Teppich glänzen und die Deutschen Gründerpreis-Träger sich ihre verdienten Lorbeeren abholen. Die Helden dieses Abends stehen nicht nur auf der Bühne, sondern auch dahinter.
Selbst um 22.30 Uhr sehen sie noch nach dem Rechten – noch immer mit perfektem Lächeln und gefüllten Tabletts. "Die geben sich hier ja ganz schön Mühe", sagt ein Gast und nimmt sich noch ein Risotto-Schälchen.
Die Preisträger im Überblick
Kategorie Lebenswerk:
Berthold Leibinger
In 50 Jahren arbeitete Berthold Leibinger sich bei dem Maschinenbau-Unternehmen Trumpf vom Lehrling zum Inhaber hoch und engagiert sich für das Gemeinwohl.
Kategorie Sonderpreis:
Deutsche Kammerphilharmonie, Bremen
Das Orchester gründete sich als GmbH und erwirtschaftet rund 60 Prozent seiner Umsätze selbst. Dazu engagieren sich die Musiker für Kinder und Jugendliche in einem sozialen Brennpunkt in Bremen. Ausgezeichnet wird die erfolgreiche Verbindung von Kultur und Unternehmertum
Kategorie Start-up:
Torqeedo GmbH, Starnberg
Die Gründer entwickelten einen neuartigen Elektromotor für Boote. Im Gegensatz zu den konventionellen Motoren sind diese leichter, leistungsfähiger und umweltfreundlicher.
Kategorie Aufsteiger:
Attocube Systems AG, München
Das Unternehmen stellt Minigeräte für den Nanobereich her, die auch bei niedrigsten Temperaturen mit höchster Präzision arbeiten. Den Preis erhält Attocube Systems für schnelles Wachstum und das Schaffen vieler Arbeitsplätze.
Kategorie Schüler:
Education Electronics, Petershagen
Die Gymnasiasten siegten beim Gründerpreis-Planspiel mit einem Chip, der Diabetikern unter die Haut transplantiert wird und zuverlässige Blutzuckerwerte liefert.
Autor: Arne Wellding
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