DEICHMANN Förderpreis
Der Verein Regenbogenhaus in Freiberg feiert am 3. Dezember sein 10jähriges Bestehen. Auf den ersten Blick nichts Ungewöhnliches. Falsch! Denn der Verein ist Gesellschafter des gleichnamigen Hotels, in dem behinderte und nicht behinderte Menschen Hand in Hand für das Wohl der Gäste arbeiten.
Zu den Gästen des Hotels zählen viele Familien mit behinderten Kindern. Diese freuten sich ganz besonders, dass das Regenbogenhaus mit dem Deichmann-Förderpreis ausgezeichnet wurde – für die Arbeit und den Umgang mit Behinderten. Im Oktober nahm die Projektleiterin Ruth Kretzer-Braun den Preis entgegen. Die 66jährige Diplom-Pädagogin arbeitet ehrenamtlich im Regenbogenhaus und zeigte sich tief berührt. Denn der Weg zum Regenbogen war alles andere als einfach.
Eine Reise in die Vergangenheit
"Unsere Reise mit dem Regenbogenhaus begann in Äthiopien", sagt die Pädagogin im Gespräch mit biz-AWARDS. 1988 begann sie dort gemeinsam mit ihrem Mann eine für drei Jahre geplante Tätigkeit an einer Universität.
Was Sie sah, bewegte Sie zutiefst: "Behinderte Studenten waren völlig auf sich allein gestellt. Sie besaßen nicht mal einen Rollstuhl. An jeder Ecke fehlte etwas."
Ruth Kretzer-Braun wollte helfen. Doch es herrschte Bürgerkrieg in Äthiopien. Sie entschied sich, sich zumindest für benachteiligte Menschen in Deutschland einzusetzen.
Reaktionen der Mitreisenden
Auf einem Lebenshilfekongress in Duisburg rückte ihr Wunsch in greifbare Nähe. Behinderte Menschen erzählten mit einem Leuchten in den Augen über ihre Erfahrungen mit der Arbeit in einem Hotel. "Das war es! Genau das entsprach meinen Vorstellungen", sagt Ruth Kretzer-Braun.
Das Regenbogenhaus nahm erste Formen an: So entstand in den Jahren 2000 und 2001 das Hotel. Dazu wurde eine altes Kasernengebäude am Stadtrand von Freiberg nahe Dresden umgebaut. In erster Linie sollten hier benachteiligte Menschen einen beruflichen Einstieg finden.
Nicht immer Sonnenschein
Natürlich stieß das angehende Hotel auch an Grenzen. Nicht jeder Behinderte ist nach Kretzer-Braun für eine gastgewerbliche Tätigkeit geeignet. Es entstanden Konflikte, die nicht immer einfach zu lösen waren.
Ein behindertes Mädchen ist der Pädagogin besonders in Erinnerung geblieben. "Es war Weihnachten, als sich ein junges Mädchen auf einer Hotel-Wendeltreppe das Leben nehmen wollte. In letzter Sekunde konnte die Auszubildende gerettet werden."
Der Selbstmordversuch hinterließ Spuren: "Ich informiere mich jetzt immer ganz genau über meine Schützlinge und meine Mitarbeiter, damit uns eine solche Situation in Zukunft erspart bleibt."
Loslassen kann nicht jeder
Viel Aufmerksamkeit und Zuneigung brauchen aber nicht nur die behinderten Mitarbeiten, sondern auch deren Eltern. Oft sind sie es, die ihre Kinder nicht loslassen können.
Gerade selbst behinderte Eltern seien besonders bemüht, dass ihr Kind sicher im Hotel ankommt. "Auf der einen Seite kann ich das Verhalten der Eltern sehr gut nachvollziehen, obwohl ich kein behindertes Kind habe. Aber dennoch ist der Abnabelungsprozess in einigen Fällen schwierig und eine echte Vertrauens-
frage", so die Doktorin.
Ganz besondere Gäste
Auf jeden Fall kommt das Konzept an: bei Mitarbeitern und Gästen. Behinderte Gruppen, Eltern und Verbände kommen laut Ruth Kretzer-Braun gern, um Urlaub zu machen. "Einer unserer Stammgäste sitzt im Rollstuhl und kommt bis zu dreimal im Jahr, um ein paar schöne Tage zu verbringen", sagt die Pädagogin stolz.
Besonders an den feuchten Augen der Gäste und Kinder zeigt sich für Ruth Kretzer-Braun Freude und Dankbarkeit. "Dieses Gefühl ist unbeschreiblich und ich spüre jedes Mal, dass ich das Richtige getan habe".
www.regen-bogen-haus.de
Am Ende des Regenbogens wartet die Würde

Ruth Kretzer-Braun (Mi.) mit einigen ihrer Mitarbeitern bei der Preisvergabe. (Foto: Regen- bogenhaus)
Zu den Gästen des Hotels zählen viele Familien mit behinderten Kindern. Diese freuten sich ganz besonders, dass das Regenbogenhaus mit dem Deichmann-Förderpreis ausgezeichnet wurde – für die Arbeit und den Umgang mit Behinderten. Im Oktober nahm die Projektleiterin Ruth Kretzer-Braun den Preis entgegen. Die 66jährige Diplom-Pädagogin arbeitet ehrenamtlich im Regenbogenhaus und zeigte sich tief berührt. Denn der Weg zum Regenbogen war alles andere als einfach.
Eine Reise in die Vergangenheit
"Unsere Reise mit dem Regenbogenhaus begann in Äthiopien", sagt die Pädagogin im Gespräch mit biz-AWARDS. 1988 begann sie dort gemeinsam mit ihrem Mann eine für drei Jahre geplante Tätigkeit an einer Universität.
Was Sie sah, bewegte Sie zutiefst: "Behinderte Studenten waren völlig auf sich allein gestellt. Sie besaßen nicht mal einen Rollstuhl. An jeder Ecke fehlte etwas."
Ruth Kretzer-Braun wollte helfen. Doch es herrschte Bürgerkrieg in Äthiopien. Sie entschied sich, sich zumindest für benachteiligte Menschen in Deutschland einzusetzen.
Reaktionen der Mitreisenden
Auf einem Lebenshilfekongress in Duisburg rückte ihr Wunsch in greifbare Nähe. Behinderte Menschen erzählten mit einem Leuchten in den Augen über ihre Erfahrungen mit der Arbeit in einem Hotel. "Das war es! Genau das entsprach meinen Vorstellungen", sagt Ruth Kretzer-Braun.
Das Regenbogenhaus nahm erste Formen an: So entstand in den Jahren 2000 und 2001 das Hotel. Dazu wurde eine altes Kasernengebäude am Stadtrand von Freiberg nahe Dresden umgebaut. In erster Linie sollten hier benachteiligte Menschen einen beruflichen Einstieg finden.
Nicht immer Sonnenschein
Natürlich stieß das angehende Hotel auch an Grenzen. Nicht jeder Behinderte ist nach Kretzer-Braun für eine gastgewerbliche Tätigkeit geeignet. Es entstanden Konflikte, die nicht immer einfach zu lösen waren.
Ein behindertes Mädchen ist der Pädagogin besonders in Erinnerung geblieben. "Es war Weihnachten, als sich ein junges Mädchen auf einer Hotel-Wendeltreppe das Leben nehmen wollte. In letzter Sekunde konnte die Auszubildende gerettet werden."
Der Selbstmordversuch hinterließ Spuren: "Ich informiere mich jetzt immer ganz genau über meine Schützlinge und meine Mitarbeiter, damit uns eine solche Situation in Zukunft erspart bleibt."
Loslassen kann nicht jeder
Viel Aufmerksamkeit und Zuneigung brauchen aber nicht nur die behinderten Mitarbeiten, sondern auch deren Eltern. Oft sind sie es, die ihre Kinder nicht loslassen können.
Gerade selbst behinderte Eltern seien besonders bemüht, dass ihr Kind sicher im Hotel ankommt. "Auf der einen Seite kann ich das Verhalten der Eltern sehr gut nachvollziehen, obwohl ich kein behindertes Kind habe. Aber dennoch ist der Abnabelungsprozess in einigen Fällen schwierig und eine echte Vertrauens-
frage", so die Doktorin.
Ganz besondere Gäste

Freude ist das Wichtigste: im Regenbogenhaus und bei der Preisverleihung. (Foto: Regen- bogenhaus)
Besonders an den feuchten Augen der Gäste und Kinder zeigt sich für Ruth Kretzer-Braun Freude und Dankbarkeit. "Dieses Gefühl ist unbeschreiblich und ich spüre jedes Mal, dass ich das Richtige getan habe".
www.regen-bogen-haus.de
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