Ludwig-Erhard-Preis

Unternehmen entdecken den Preis als Managementinstrument



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André Moll: Projektleiter des Ludwig-Erhard- Preises.
Mehr als 20 Unternehmen schafften es in diesem Jahr in die erste Bewertungsrunde des Ludwig-Erhard-Preises (LEP). In drei Größenkategorien ringen sie um die begehrten Auszeichnungen für den unternehmerischen Reifegrad, die Wirtschaftsminister Michael Glos am 6. November 2007 in Berlin überreicht.


Die LEP-Organisatoren müssen dabei mehr ehrenamtliche Assessoren - rund 150 - einsetzen als je zuvor. Grund dafür ist die hohe Bewerberzahl großer Unternehmen, die weit über 1.000 Mitarbeiter beschäftigen. biz-AWARDS sprach mit LEP-Projektleiter André Moll über die gestiegenen Teilnehmerzahlen und den Nutzen, den der Qualitätspreis Bewerbern bringen kann.

biz-AWARDS: Herr Moll, in diesem Jahr treten mehr große Unternehmen an als in den letzten Jahren. Woran liegt das?
André Moll: Dahinter steckt sicherlich ein allgemeiner Trend: Bisher sahen viele Großunternehmen keine Notwendigkeit, am LEP teilzunehmen. Die Erfolge von Firmen wie TNT, BMW oder Busch Jäger haben für ein Umdenken und größeren Wettbewerbsdruck gesorgt. Jetzt wollen die anderen auch öffentliche Erfolge feiern. Das drückt sich dann in der hohen Anzahl an Bewerbungen aus: Gut ein Drittel der Bewerber beschäftigt mehr als 500 Mitarbeiter und tritt damit in der Kategorie "große Unternehmen" an.

biz-AWARDS: Heißt das, dass immer mehr Unternehmen Qualitätspreise als Managementinstrument entdecken?
André Moll: Genau. Die Teilnehmer bekommen ja einen Feedbackbericht, der beschreibt, welche Reife das Unternehmen hat. Das äußert sich in der Leistungsfähigkeit: als Ganzes und in einzelnen Bereichen wie zum Beispiel dem Personalmanagement, dem Kennzahlensystem, dem Prozessmanagement und besonders der Unternehmenskultur.

Qualität ist also ein entscheidendes Merkmal erfolgreicher Unternehmen und wirkt sich direkt auf das Image aus. Warum kann denn zum Beispiel BMW seine Autos zu einem vergleichsweise hohen Preis verkaufen? Weil die Marke BMW ein besonderes Ansehen ausstrahlt! Dieses Image muss außen und vor allem in der Firma selbst stimmen: Die Mitarbeiter müssen den Anspruch einer Spitzenqualität mittragen und mit erzeugen – und der Kunde merkt, ob Anspruch und Wirklichkeit übereinstimmen. Und das können unsere Assessoren dann prüfen.

Oder ein anderes Beispiel: die ABB AG. Deren Aktienwert ist innerhalb von zehn Jahren von 100.000 DM auf über 2 Millionen Euro gestiegen. Warum? Weil sich die ABB seit mehr als zehn Jahren auch mit dem Qualitätsmodell EFQM beschäftigt und dadurch ihre Leistungen steigern konnte. Von den Feedbacks der Assessoren lernen die Unternehmen – und die Assessoren von den Unternehmen.

biz-AWARDS: Gibt es auch Grenzen?
André Moll: Bei Konzernen sicherlich, sie sind ja kein homogenes Ganzes. Überall gibt es Licht und Schatten, das hat man in der jüngeren Vergangenheit sehen können. Ich erinnere mich da an jene deutschen Großunternehmen, die ihre Strukturprobleme in die Öffentlichkeit getragen haben. Unsere Assessoren können kein 100.000-Mann-Unternehmen in seiner Gänze überblicken.

Kleine Organisationen sind verständlicherweise besser überprüfbar – eine Größe bis ca. 10.000 Mitarbeiter lässt sich gut überblicken. Deshalb bewerben sich viele Großunternehmen mit Teileinheiten, wie zum Beispiel der letztjährige Gewinner T-Systems Multimedia Solutions in Dresden.

biz-AWARDS: Was erwarten sich die Bewerber von den Assessorenbesuchen?

André Moll: Vor allem ein neutrales externes Feedback, da zwischen den Assessoren und dem Bewerber keinerlei wirtschaftliche Beziehung besteht. Wir können so Aspekte ansprechen, die weder Mitarbeiter oder Berater gerne ansprechen. Ein Unternehmen mit vier Standorten hat kaum geeignete interne Mittel, um die Qualität seiner einzelnen Standorte zu ermitteln und in Relation zueinander zu setzen.

Die Assessorenbesuche können wesentliche Qualitätsunterschiede aufdecken: Was läuft in den vier Standorten gut, was könnte verbessert werden? Das Feedback ist aber natürlich eine Art Kompromisslösung zwischen Aufwand der ehrenamtlichen Assessoren und dem Detailgrad der Erkenntnisse. In zweieinhalb Tagen Interview mit bis zu sieben Assessoren kann am Ende nicht alles betrachtet werden.

biz-AWARDS: Erstmals sind 2007 auch Bewerber nach einem neuen Verfahren angetreten: Anstelle der klassischen 75-seitigen Bewerbung konnten Unternehmen eine neue 25-seitige Unterlage einreichen. Wie wurde das angenommen?
André Moll: Viele alte und neue Bewerber interessieren sich für das neue Verfahren. Unter den Kandidaten in der Bewertungsrunde sind drei Firmen, die sich so beworben haben. Die alten Hasen haben noch die 75-seitige Variante gewählt, weil sie sich im Rahmen ihrer Vorbereitungen bereits auf das klassische Verfahren eingestellt hatten.

In den nächsten Jahren erwarten wir einen Anstieg der Bewerber nach dem neuen Verfahren auf ca. 50 Prozent. Bewerber können damit ja auch eine Menge Zeit sparen: Es sind zwei Drittel weniger Volumen zu erstellen.

Es bleibt aber dabei: Je reifer das Unternehmen im Qualitätsmanagement ist, desto leichter fällt die Bewerbung. Eine Auswertung der Kundenbefragungen sollte schon vor der Bewerbung vorliegen und nicht erst im Zuge der Bewerbung erstellt werden.

biz-AWARDS: Was sind die nächsten Schritte im Wettbewerb?
André Moll: In der letzten Septemberwoche werden die Assessoren die Unternehmen besuchen und anschließend ihre Ergebnisse auswerten. Anfang September werden wir dann die Teilnehmer des Finales bekannt geben und am 6. November gibt es dann die Verleihung – mit wie im letzten Jahr verbunden mit einer Vortragsveranstaltung, dem LEP-Forum.

Es gibt noch weitere Neuigkeiten: Der bisherige Botschafter der Initiative, Donald Pilz, wird in diesem Jahr den Staffelstab an seinen Nachfolger übergeben. Wir werden im Herbst bekannt geben, wer der nächste Botschafter des LEP wird und im Rahmen der Verleihung die offizielle Übergabe feiern.

biz-AWARDS: Wer wird am Ende vorne stehen?

Amdré Moll (lacht): Diese Frage beantworten unsere Assessoren zusammen mit der Jury. Da müssen wir uns alle noch gedulden. In diesem Jahr bringen einige Unternehmen das Potenzial mit, ganz vorne zu stehen. Ich hoffe sehr, dass wir in diesem Jahr in zwei Kategorien wieder erste Plätze vergeben können. Vielleicht sogar in allen drei Kategorien.

biz-AWARDS: Danke für das Interview


Zwei Fakten zur Wettbewerbsrunde 2007
• Die am Wettbewerb teilnehmenden Branchen verteilen sich 2007 gleichmäßig auf Produktionsbetriebe, Dienstleistungsunternehmen und Organisationen des Gesundheits- und Sozialwesens.

• Die meisten "großen" Unternehmen haben weit über 1000 Mitarbeiter. Im Gesamtdurchschnitt sind pro Unternehmen 580 Mitarbeiter beschäftigt.

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