Deutscher Gründerpreis
Schweiß perlt von der Stirn, die Hände rutschen unruhig hin und her, der Blick starrt auf die Leinwand: Die Preisträger des diesjährigen Deutschen Gründerpreises kämpften bei der Verleihung im ZDF-Hauptstadtstudio mit ihren Gefühlen - und tropischen Temperaturen.
Roter Teppich für Promis und Sieger
Für Michael Raß beginnt der Abend wie für alle anderen Gäste: mit dem Gang über den roten Teppich. Im Saal erwartet ihn gespannte Stille zum Auftakt der Moderation – nur das Rauschen des Beamers ist zu hören. Dass er am Ende als "Aufsteiger des Jahres" auf der Bühne stehen wird, kann der Geschäftsführer der Teutoburger Ölmühle aus Ibbenbüren zu diesem Zeitpunkt nicht ahnen.
Schwitzend sitzt er auf seinem Stuhl, als sein Unternehmen als eines von drei Nominierten vorgestellt wird. Raß entwickelte ein energieautarkes Verfahren der Kaltpressung von Raps-Kernöl, dass sämtliche Reste der Rapsverarbeitung im Sinne der Kreislaufwirtschaft weiter verwendet.
Als Laudator Alfred Theodor Ritter den Sieger verkündet, wechselt Raß´ Gesichtsausdruck in ein freudiges Grinsen: Er gewinnt.
Aus Ärger gründen
Energisch schreitet er auf die Bühne und beschreibt seine Gründung als verärgerte Initialzündung: "Niemand in der Forschung wollte die neue Rapsverarbeitung in die Praxis umsetzen. Das ärgerte mich – also gründete ich selbst."
Was denn der Vorteil von Raps gegenüber Oliven sei, wollte Moderator Klaus-Peter Siegloch wissen. Raß konterte: "Nussiger Geschmack, heimische Pflanze und eine schöne Farbe – Raps ist einfach besser als Olivenöl."
Öl-Saat statt Bratkartoffeln
Ölig geht es auch beim "Start-up des Jahres" zu. Dirk Wenzel und Dietbert Rudolph gewinnen mit ihrer EOil Automotive & Technologies GmbH aus Alfeld (Niedersachsen) – mit gefassten Blicken und kleinen Freudentränen in den Augen.
Die Gründer machen Pflanzenöl direkt als Kraftstoff nutzbar, ohne den Zwischenschritt über Biodiesel gehen zu müssen. Das Konzept soll zukünftig auch in PKW´s zum Einsatz kommen. Wie wichtig Eoil das Thema Umwelt ist, sagt Dietbert Rudolf mit einem Zwinkern: "Der Finanzminister sollte aufpassen, dass er nicht aus Saat- Bratkartoffeln macht – da wird die Ernte nicht so gut."
Kernenergie? Nein, danke!
Dass die Jury in diesem Jahr auf Umweltthemen setzt, zeigt sich auch bei der Vergabe des Sonderpreises (früher "Visionär"). Arm in Arm schauen sich Ursula und Dr. Michael Sladek die Geschichte ihrer Schönauer Vertriebs GmbH (EWS) auf der Leinwand an.
Nach der Tschernobyl-Katastrophe 1986 entschlossen sie sich, eine Bürgerinitiative für ökologische Energieversorgung zu gründen. Da sich der örtliche Energieversorger weigerte, ökologische Rahmenbedingungen vertraglich festzuhalten, übernahmen die Sladeks nach einem Bürgerentscheid 1997 das städtische Stromnetz. Heute versorgen sie mit der EWS über 45.000 Kunden mit kernenergiefreiem Strom.
"Wir wollen die gesamte Energieversorgung ökologisch ausrichten und auf dezentrale, sparsame und lokal verankerte Strukturen umstellen", umreißt Geschäftsführerin Ursula Sladek ihre Vision.
Menschlichkeit als Unternehmensgrundlage
Nachdem das siegreiche Schülerteam Eureso mit dem Gründerpreis für Schüler geehrt wird, geht es auf den Höhepunkt des Abends: den Preis für das Lebenswerk.
Es ist still im Saal, als Florian von Langenscheidt die Laudatio für den Sieger hält: Reinhard Mohn.
Der Gründer der Bertelsmann AG sei Zeit seines Lebens dem Wort verpflichtet gewesen, so Langenscheidt. Als Unternehmer stehe er zusammen mit Bertelsmann als Synonym für Unternehmenskultur.
Trotz Krieg, Zerstörung und Gefangenschaft baute Mohn Bertelsmann aus einem Trümmerhaufen wieder auf. Ohne Ausbildung übernahm er die Führung des Unternehmens und führte es zu einem weltweiten Konzern.
Nach großem Applaus warten alle auf den Preisträger, der aber nicht auf der Bühne erscheint. Reinhard Mohn konnte aus gesundheitlichen Gründen nicht anreisen, wird dafür aber von seiner Frau Liz Mohn vertreten.
Per Film bedankt sich der Preisträger und zieht die Gäste mit einer zitternden Stimme in seinen Bann: "Der Preis liegt im Sinne meiner Bemühungen, Menschlichkeit zu fördern, Unternehmen und Mitarbeiter zusammenzubringen und Menschen eine Freude zu machen. Nicht Streitkultur ist die Lösung, sondern Partnerschaft. Darüber sollten die Menschen mehr nachdenken: Die Welt menschlicher zu gestalten."
Öl und Wasser geschwitzt

Geehrt für sein Lebenswerk: Reinhard Mohn. (Foto: dsgv)
Roter Teppich für Promis und Sieger
Für Michael Raß beginnt der Abend wie für alle anderen Gäste: mit dem Gang über den roten Teppich. Im Saal erwartet ihn gespannte Stille zum Auftakt der Moderation – nur das Rauschen des Beamers ist zu hören. Dass er am Ende als "Aufsteiger des Jahres" auf der Bühne stehen wird, kann der Geschäftsführer der Teutoburger Ölmühle aus Ibbenbüren zu diesem Zeitpunkt nicht ahnen.
Schwitzend sitzt er auf seinem Stuhl, als sein Unternehmen als eines von drei Nominierten vorgestellt wird. Raß entwickelte ein energieautarkes Verfahren der Kaltpressung von Raps-Kernöl, dass sämtliche Reste der Rapsverarbeitung im Sinne der Kreislaufwirtschaft weiter verwendet.
Als Laudator Alfred Theodor Ritter den Sieger verkündet, wechselt Raß´ Gesichtsausdruck in ein freudiges Grinsen: Er gewinnt.
Aus Ärger gründen

Mit Raps-Öl zum "Aufsteiger des Jahres": Michael Raß (Foto: biz- AWARDS)
Was denn der Vorteil von Raps gegenüber Oliven sei, wollte Moderator Klaus-Peter Siegloch wissen. Raß konterte: "Nussiger Geschmack, heimische Pflanze und eine schöne Farbe – Raps ist einfach besser als Olivenöl."
Öl-Saat statt Bratkartoffeln

Start-ups des Jahres: Dietbert Rudolph (li.) und Dirk Wenzel (Foto: biz- AWARDS)
Die Gründer machen Pflanzenöl direkt als Kraftstoff nutzbar, ohne den Zwischenschritt über Biodiesel gehen zu müssen. Das Konzept soll zukünftig auch in PKW´s zum Einsatz kommen. Wie wichtig Eoil das Thema Umwelt ist, sagt Dietbert Rudolf mit einem Zwinkern: "Der Finanzminister sollte aufpassen, dass er nicht aus Saat- Bratkartoffeln macht – da wird die Ernte nicht so gut."
Kernenergie? Nein, danke!
Dass die Jury in diesem Jahr auf Umweltthemen setzt, zeigt sich auch bei der Vergabe des Sonderpreises (früher "Visionär"). Arm in Arm schauen sich Ursula und Dr. Michael Sladek die Geschichte ihrer Schönauer Vertriebs GmbH (EWS) auf der Leinwand an.
Nach der Tschernobyl-Katastrophe 1986 entschlossen sie sich, eine Bürgerinitiative für ökologische Energieversorgung zu gründen. Da sich der örtliche Energieversorger weigerte, ökologische Rahmenbedingungen vertraglich festzuhalten, übernahmen die Sladeks nach einem Bürgerentscheid 1997 das städtische Stromnetz. Heute versorgen sie mit der EWS über 45.000 Kunden mit kernenergiefreiem Strom.
"Wir wollen die gesamte Energieversorgung ökologisch ausrichten und auf dezentrale, sparsame und lokal verankerte Strukturen umstellen", umreißt Geschäftsführerin Ursula Sladek ihre Vision.
Menschlichkeit als Unternehmensgrundlage

Liz Mohn nahm den Preis für ihren Gatten Reinhard Mohn entgegen. (Foto: biz- AWARDS)
Es ist still im Saal, als Florian von Langenscheidt die Laudatio für den Sieger hält: Reinhard Mohn.
Der Gründer der Bertelsmann AG sei Zeit seines Lebens dem Wort verpflichtet gewesen, so Langenscheidt. Als Unternehmer stehe er zusammen mit Bertelsmann als Synonym für Unternehmenskultur.
Trotz Krieg, Zerstörung und Gefangenschaft baute Mohn Bertelsmann aus einem Trümmerhaufen wieder auf. Ohne Ausbildung übernahm er die Führung des Unternehmens und führte es zu einem weltweiten Konzern.
Nach großem Applaus warten alle auf den Preisträger, der aber nicht auf der Bühne erscheint. Reinhard Mohn konnte aus gesundheitlichen Gründen nicht anreisen, wird dafür aber von seiner Frau Liz Mohn vertreten.
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