Werner-Bonhoff-Preis
Bernd Beigl aus Augsburg kämpfte zwei Jahre lang um eine Genehmigung für ein Fahrradtaxi. Gegen den Widerstand der Stadtverwalltung setzte er sich letztendlich durch und wurde hauptamtlicher Rikschafahrer nach Berliner Vorbild. Für seinen Einsatz gegen Bürokratie wurde er mit dem "Werner Bonhoff Preis 2007" ausgezeichnet und erhielt den Preischeck in Höhe von 100.000 Euro.
Ein ganz normaler Antrag
Beigl ist ein vorbildlicher Selbständiger: brav, engagiert und innovationsfreudig. All das, was eine Stadt in ihrer heimischen Wirtschaft sehen möchte.
Vor drei Jahren hatte der gelernte Bankkaufmann eine neue Idee: ein Fahrradtaxi-Dienst in Augsburg. "Ich fuhr ab und zu mit meinem Rikscha-Wagen bei Festen. Es sollte aber alles etwas professioneller werden. Also gründete ich eine Ich-AG und stellte im Juni bei der Straßenverkehrsbehörde einen Zulassungsantrag für den Dienst – eine ganz normale Angelegenheit", erinnert sich Beigl.
Überraschung: Es passiert nichts, zwei Jahre lang
Zunächst schien für den Augsburger alles glatt zu gehen. "Ich bekam eine Auflage für die Abgabe für Versicherung, TÜV-Gutachten und die Fahrtrouten. Nach zwei Wochen hatte ich alles eingereicht und wartete auf eine Antwort."
Dann passierte: nichts. "Nach einiger Zeit fragte ich mal nach, wie es denn so aussieht mit dem Antrag", sagt der 39-jährige zu biz-AWARDS. "Die Antwort der Behörde: Wir können noch überhaupt nichts dazu sagen. Wir müssen das erst mit dem Land Schwaben abklären."
Was das Land Schwaben mit einer Rikscha im bayerischen Augsburg zu tun haben sollte, wurde nicht erklärt, so Beigl. Beim weiteren Briefwechsel häuften sich dann die absurden Antworten. "Es kamen immer wieder neue Ausreden: Es könne nicht verantwortet werden, auf viel befahrener Strecke zu fahren – das könnte ein Verkehrschaos auslösen. Ein anderes Mal verwies das Amt auf eine fehlende bundeseinheitliche Lösung. Danach war der Sachbearbeiter im Urlaub und ab und zu wurde ich einfach abgewürgt."
Fast geplatzte Träume, aber nie aufgegeben
Der Unternehmer blieb weiter dran, rief an und schrieb immer wieder Briefe – ohne Ergebnis. "Nach und nach wurde ich immer frustrierter. Ich ging mit vollem Elan in das neue Geschäft und wurde dann ausgebremst. Solch absurden Fälle sieht und hört man ja sonst immer nur im Fernsehen. Das es dann einen selber trifft – das hätte ich nie gedacht", sagt Bernd Beigl zu biz-AWARDS.
Den Kopf in den Sand steckte er aber nicht. "Ich bin erstmal auf eigene Gefahr privat weiter gefahren und hielt nach anderen Standbeinen Ausschau." Ein solches Standbein wurde die Ideenwerkstatt und Bürgerinitiative "Augsburg lebt", die sich für weniger Bürokratie einsetzt und von Beigl geleitet wird. "Andere Augsburger hatten ähnliche Probleme mit der Straßenverkehrsbehörde: Ein Eisfahrrad dürfte z.B. nicht an Badeseen fahren, weil es mindestens 50 Meter von der nächsten Eisdiele entfernt sein musste. Genau wegen solcher Probleme gründete sich 2005 'Augsburg lebt'."
Der Bürgermeister schreitet ein
Die Initiative startete durch, beim Fahrradtaxi tat sich weiter nichts. Erst mit der bundesweiten Bürokratiedebatte 2006 sollte sich das Blatt wenden.
Bernd Beigl hatte Anfang 2006 an übergeordnete Ämter geschrieben und wartete auf eine Antwort. "Im Sommer 2006 diskutierte ganz Deutschland über die steigende Bürokratie. So muss der Augsburger Bürgermeister auf mein Problem aufmerksam geworden sein. Vier Wochen später hat er meinen Antrag auf kurzem Dienstweg durchgesetzt. Nach zwei Jahren hatte ich den Bescheid endlich in der Tasche und konnte meine zweite Rikscha in Betrieb nehmen", sagt Beigl zu biz-AWARDS.
Gewinn bringt die Behörde zu Fall
Eine Antwort auf das Verhalten der Behörde bekam der Unternehmer nicht. "Warum sich die Behörde quer gestellt hat, weiß ich bis heute nicht. Vielleicht war es einfach Willkür, das Amt hat ja keinem direkt unterstanden. Es häuften sich immer mehr Berichte, das Bürger unter der Behörde leiden mussten. Es scheint die Regel gewesen zu sein."
Der Sieg Beigls beim "Werner Bonhoff Preis" brachte die Behörde am Ende schließlich ganz zu Fall. "Augsburgs Bürgermeister löste die Straßenverkehrsbehörde kurzerhand auf, nachdem er von meinem Gewinn gehört hatte."
Zur !deenwerkstatt "Augsburg lebt"
"Augsburg lebt" bietet Augsbürgern und Nicht-Augsbürgern Service-Angebote, zum Beispiel einen Rikscha-Service, Führungen wie "Ansichtssachen:Augsburg", Projekte zur Integration und das "Bündnis Augsburg" für ehrenamtliches Engagement.
www.augsburglebt.de
Der Preis für das Warten auf eine Rikscha: 100.000 Euro

Bernd und Anja Beigl kämpften zwei Jahre um eine Genehmigung für einen Rikscha- Fahrdienst. (Foto: Bernd Beigl)
Ein ganz normaler Antrag
Beigl ist ein vorbildlicher Selbständiger: brav, engagiert und innovationsfreudig. All das, was eine Stadt in ihrer heimischen Wirtschaft sehen möchte.
Vor drei Jahren hatte der gelernte Bankkaufmann eine neue Idee: ein Fahrradtaxi-Dienst in Augsburg. "Ich fuhr ab und zu mit meinem Rikscha-Wagen bei Festen. Es sollte aber alles etwas professioneller werden. Also gründete ich eine Ich-AG und stellte im Juni bei der Straßenverkehrsbehörde einen Zulassungsantrag für den Dienst – eine ganz normale Angelegenheit", erinnert sich Beigl.
Überraschung: Es passiert nichts, zwei Jahre lang

Das Objekt der Begierde: eine Rikscha. (Foto: Bernd Beigl)
Dann passierte: nichts. "Nach einiger Zeit fragte ich mal nach, wie es denn so aussieht mit dem Antrag", sagt der 39-jährige zu biz-AWARDS. "Die Antwort der Behörde: Wir können noch überhaupt nichts dazu sagen. Wir müssen das erst mit dem Land Schwaben abklären."
Was das Land Schwaben mit einer Rikscha im bayerischen Augsburg zu tun haben sollte, wurde nicht erklärt, so Beigl. Beim weiteren Briefwechsel häuften sich dann die absurden Antworten. "Es kamen immer wieder neue Ausreden: Es könne nicht verantwortet werden, auf viel befahrener Strecke zu fahren – das könnte ein Verkehrschaos auslösen. Ein anderes Mal verwies das Amt auf eine fehlende bundeseinheitliche Lösung. Danach war der Sachbearbeiter im Urlaub und ab und zu wurde ich einfach abgewürgt."
Fast geplatzte Träume, aber nie aufgegeben
Der Unternehmer blieb weiter dran, rief an und schrieb immer wieder Briefe – ohne Ergebnis. "Nach und nach wurde ich immer frustrierter. Ich ging mit vollem Elan in das neue Geschäft und wurde dann ausgebremst. Solch absurden Fälle sieht und hört man ja sonst immer nur im Fernsehen. Das es dann einen selber trifft – das hätte ich nie gedacht", sagt Bernd Beigl zu biz-AWARDS.
Den Kopf in den Sand steckte er aber nicht. "Ich bin erstmal auf eigene Gefahr privat weiter gefahren und hielt nach anderen Standbeinen Ausschau." Ein solches Standbein wurde die Ideenwerkstatt und Bürgerinitiative "Augsburg lebt", die sich für weniger Bürokratie einsetzt und von Beigl geleitet wird. "Andere Augsburger hatten ähnliche Probleme mit der Straßenverkehrsbehörde: Ein Eisfahrrad dürfte z.B. nicht an Badeseen fahren, weil es mindestens 50 Meter von der nächsten Eisdiele entfernt sein musste. Genau wegen solcher Probleme gründete sich 2005 'Augsburg lebt'."
Der Bürgermeister schreitet ein
Die Initiative startete durch, beim Fahrradtaxi tat sich weiter nichts. Erst mit der bundesweiten Bürokratiedebatte 2006 sollte sich das Blatt wenden.
Bernd Beigl hatte Anfang 2006 an übergeordnete Ämter geschrieben und wartete auf eine Antwort. "Im Sommer 2006 diskutierte ganz Deutschland über die steigende Bürokratie. So muss der Augsburger Bürgermeister auf mein Problem aufmerksam geworden sein. Vier Wochen später hat er meinen Antrag auf kurzem Dienstweg durchgesetzt. Nach zwei Jahren hatte ich den Bescheid endlich in der Tasche und konnte meine zweite Rikscha in Betrieb nehmen", sagt Beigl zu biz-AWARDS.
Gewinn bringt die Behörde zu Fall
Eine Antwort auf das Verhalten der Behörde bekam der Unternehmer nicht. "Warum sich die Behörde quer gestellt hat, weiß ich bis heute nicht. Vielleicht war es einfach Willkür, das Amt hat ja keinem direkt unterstanden. Es häuften sich immer mehr Berichte, das Bürger unter der Behörde leiden mussten. Es scheint die Regel gewesen zu sein."
Der Sieg Beigls beim "Werner Bonhoff Preis" brachte die Behörde am Ende schließlich ganz zu Fall. "Augsburgs Bürgermeister löste die Straßenverkehrsbehörde kurzerhand auf, nachdem er von meinem Gewinn gehört hatte."
Zur !deenwerkstatt "Augsburg lebt"
"Augsburg lebt" bietet Augsbürgern und Nicht-Augsbürgern Service-Angebote, zum Beispiel einen Rikscha-Service, Führungen wie "Ansichtssachen:Augsburg", Projekte zur Integration und das "Bündnis Augsburg" für ehrenamtliches Engagement.
www.augsburglebt.de
zum Wettbewerb
Werner-Bonhoff-Preis
weitere Nachrichten
50.000 Euro für anti-bürokratische Hürdenläufer
Anti-Bürokratie-Preis 2011 für Aufstand von unten
50.000 Euro suchen unternehmerische Anti-Bürokraten
Bauer sucht Sinn – und findet Preis
Jetzt noch wider den Paragraphen-Dschungel
'Wir denken über Gesetze nicht nach. Wir wenden sie an'
Bürokratische Hürden überwinden
Günther Jauch wider den Bürokraten-Dschungel
Die Putzfrau als Aktionärin
Der Bürokratie ein Schnippchen schlagen
Werner-Bonhoff-Preisweitere Nachrichten
50.000 Euro für anti-bürokratische Hürdenläufer
Anti-Bürokratie-Preis 2011 für Aufstand von unten
50.000 Euro suchen unternehmerische Anti-Bürokraten
Bauer sucht Sinn – und findet Preis
Jetzt noch wider den Paragraphen-Dschungel
'Wir denken über Gesetze nicht nach. Wir wenden sie an'
Bürokratische Hürden überwinden
Günther Jauch wider den Bürokraten-Dschungel
Die Putzfrau als Aktionärin
Der Bürokratie ein Schnippchen schlagen3 Kommentare:
von lnylhzfdk am 28.04.2013 - 12:26 UhrYjssL6 <a href="http://yzvczzmryxuq.c...
von ovlkfgqtszf am 28.04.2013 - 12:25 Uhr5RizTJ <a href="http://atbuxgjanhre.c...
von Adelia am 27.04.2013 - 07:35 Uhrhallohabe deinen blog eknedctt und beim lesen oft geschmunzelt weil ich soviele sachen wieder erkannt habe. lebe nun 2 jahre auch hier in beijing und finde es immer noch spannend


