GründerChampions

Erst Philadelphia, dann Frankfurt und jetzt Konfitüre á la Goethe



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Karin Finger (Foto: Goethe Schokoladen- Manufaktur)
Karin Finger gründet nach 14 Jahren Medizintechnik ihre eigene Schokoladen-Manufaktur und überzeugt mit ihren handgefertigten Produkten sogar Sterneköche. Dafür gewinnt die Thüringerin einer der Auszeichnungen als "GründerChampion 2007".


biz-AWARDS sprach mit der Siegerin aus Bad Frankenhausen über unerfüllte Berufswünsche, selbstgemachte Konfitüre und Mozarts Schuld an der "Goethe Schokoladen-Manufaktur".

Ein gut bezahlter Job reicht nicht immer
Karin Finger kennt sich im Berufsleben aus. Sie ist gelernte Elektroinstallateurin und studierte Betriebswirtin. Seit 2001 war sie leitend bei Siemens tätig. "In dieser Zeit war ich viel unterwegs: Amerika, Asien, Europa", erinnert sie sich im Gespräch mit biz-AWARDS.

Doch nach einigen Jahren gab es für die leitende Angestellte nichts Spannendes mehr zu entdecken. "Ich reiste gerne und verdiente auch nicht schlecht. Doch der Beruf erfüllte mich nicht mehr. 40 Prozent meiner Wochenenden verbrachte ich im Ausland. Ich wollte aber endlich etwas bei mir zuhause in Thüringen arbeiten."

Keine zündende Idee
An Einfällen mangelte es der Thüringerin nicht. "Ideen hatte ich viele, zum Beispiel ein Kinderhotel oder eine Sprachschule. Bei Siemens musste ich immer wieder Sprachschulen besuchen, um mein Englisch aufzubessern. Da kannte ich mich im Sprachbereich nach einer Weile gut aus."

Zur Umsetzung kam es aber zunächst nicht. "Irgendwie konnte ich mich nicht entscheiden. Entweder gefiel mir die Idee nicht mehr so gut oder es kam etwas in der Planung dazwischen", sagt Karin Finger zu biz-AWARDS.

Erst Philadelphia, dann Frankfurt, jetzt Konfitüre
Erst auf einer Flugreise 2004 machte es Klick: "Ich flog von Philadelphia nach Frankfurt und las in einer Zeitschrift für 'Feinschmecker'. Ein Autor kritisierte, dass es niemanden mehr gibt, der Konfitüre wie Großmütter machen kann. Das schlug es ein wie Blitz: Ich will meine eigene Konfitüre herstellen."

Die Idee ließ Karin Finger nicht mehr los und kam ihrer Kochleidenschaft entgegen. "Kochen war schon immer eine meiner Leidenschaften: Ich habe hunderte von Kochbüchern gesammelt, besuchte auf meinen Reisen viele kleine Restaurants habe viele Chefköche nach ihren Rezepten ausgefragt. Die Leidenschaft habe ich von meinen Verwandten: Einer meiner Urgroßväter besaß eine eigene Bäckerei und Konditorei. Und meine Großmutter bewirtschaftete eine Obstplantage und versorgte uns hervorragenden Konfitüren."

Der erste Test, das erste Desaster

Noch während ihrer Angestellen-Arbeit fing Karin Finger an, erste Fruchtaufstriche aus Erdbeeren herzustellen. "Ein befreundeter Sternekoch in München testete das erste Ergebnis – und war schockiert: Das ist Schrott und hat kein Aroma, sagte er. Das hat mich erstmal selbst geschockt", erinnert sich die Thüringerin.

Auch im Freundeskreis fand Karin Finger nicht nur positive Meinungen."Einige fanden die Idee toll, andere total daneben: Du bist doch verrückt geworden, du willst doch nicht Marmelade verkaufen."

Tipps und Kontakte bei Chefköchen
Entmutigen ließ sie sich dadurch aber nicht. Karin Finger kochte weiter, holte sich Tipps und Kontakte bei Küchenchefs und testete immer und immer immer wieder. Alles neben ihrem eigentlichen Beruf.

Sterneköche bekräftigten ihre Bemühungen: "Ich besuchte bei Patissier Robert Oppeneder einen Kurs im Schokolade verarbeiten. Er hat mir immer wieder zugeredet: Mach das, das wird sicher klappen. Später begleitete er mich dann als Kreativ-Berater in der Startphase der Manufaktur. Eine echte Hilfe."

Handgemachtes aus alter Villa

Nach mehr und mehr Zuspruch entschied sich die Thüringerin im Herbst 2004 endgültig für die Gründung. "Am 1. Juni 2005 war es soweit: Ich stellte die ersten Bauanträge und fing am 1. August endlich an, in unserer denkmalgeschützten Villa in Bad Frankenhausen handgemachte Konfitüren herzustellen. Am 1. September schrieb ich dann die erste Rechnung."

Von Anfang an war sich Karin Finger sicher, dass sie nur mit der Qualität ihrer Produkte überzeugen kann. "Alle unsere Kreationen sind handgefertigt und werden erst nach Bestellung gekocht. Jede Bestellung ist ein neues Produkt. Erst die Frische im Pralinenbereich bringt den Beitrag zur hohen Qualität. Dafür nehmen die Kunden auch die Lieferzeiten von sieben bis zehn Tagen in Kauf."

Hotels und Gaststätten, auch im Sternebereich, haben sich inzwischen auf die Abfolge der Produktion eingestellt. Dafür gibt es auch persönliche süße Kreationen. "Für eine Berliner Personalmanagementfirma haben wir zum Beispiel alle Pralinen mit Firmenlogo- und Farbe versehen und in eigens angefertigte Holzschachteln verpackt", sagt Karin Finger zu biz-AWARDS.

Mozarts Schuld am Namen "Goethe-Manufaktur"
Auf ihren Geschäftsreisen für Siemens fand die Gründerin auch den Namen für die Manufaktur. "Beim Umsteigen blieb ich einmal am Wiener Flughafen hängen. Das stand bei jedem noch so kleinen Geschäft Mozart dran. Da dachte ich mir: Was die mit Mozart machen, kannst du auch mit Goethe."

Der Name passe hervorragend, so Karin Finger, da Bad Frankenhausen in der Nähe von Weimar liegt. "Außerdem habe ich viel gelesen über Goethes Leben. Er war ein Genussmensch, Niederlagen haben ihn nicht niedergeschmettert und er war sehr naturverbunden – das passte hervorragend zur Schokoladenmanufaktur."

Goethe hinterließ seine Spuren aber nicht nur im Namen. "Wir führen eine Goethe-Konfitüre, hergestellt nach dem Originalrezept der Oma Goethes: mit Himbeeren, Erdbeeren und schwarzer Johannisbeere."

Marktlücke entdeckt und GründerChampion geworden

Mit ihrem eigenen Gründungsweg sicherte sich Karin Finger nicht nur die Existenz, sondern auch den Gewinn bei "GründerChampions 2007". Die größten Potenziale ihres Gewinns sieht sie im Marketing: "Ein bisschen bekannter werden, andere Teilnehmer kennen lernen. Genau das habe ich erreicht."


Zur Goethe Schokoladen-Manufaktur
Die "Goethe-Schokoladentaler Manufaktur" wurde 2004 gegründet. Das Unternehmen produziert handgefertigte Süßwaren, zum Beispiel Konfitüren, Marmeladen. Pralinen, die "Goethe Torte", Chutneys und Geschenkartikel.

In der Schaumanufaktur können Besucher bei der Herstellung der Konfitüren im Kupferkessel zuschauen. Eine Schokoladenstube informiert u.a. über die Entstehung der Schokolade, Aztekische Schokoladenrezepte und Schokoladensucht. Außerdem ermöglicht der Standort Bad Frankenhausen den Besuch weiterer Sehenswürdigkeiten, wie das Kyffhäuserdenkmal oder das Barbarossahöhle.

www.goethe-schokoladentaler.de

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