Mutmacher der Nation

Keinen entlassen und eigene Ersparnisse geopfert



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Dagmar Vogt (Foto: ib vogt)
Eigenes Gehalt gekürzt, Versicherungen gekündigt, aber niemanden entlassen: Dagmar Vogt kämpfte ein Jahr lang um die Existenz ihres Ingenieurbüros für Solarzellenfabriken – und gewann.



Für ihren Einsatz und Unternehmerwillen wurde sie zur "Mutmacherin des Jahres" gekürt.

Wie sie die schwierigen Zeiten erlebte, überlebte und an wen sie ihr Preisgeld spendet, erzählt Dagmar Vogt im Gespräch mit biz-AWARDS Redakteur Mario Böhl.

Lebe deinen Traum
"Ich wollte schon immer im Bereich regenerative Energien selbständig sein", sagt die Siegerin zu Beginn unseres Gespräches in ihren Büroräumen, die in warmen Rottönen gehalten sind.

Nach ihrem Chemie-Ingenieur-Studium erfüllte sie sich 1991 einen Jugendtraum und gründete das Ingenieurbüro "ib vogt". Schon zu Beginn ihrer Selbständigkeit baute sie dabei auf die Strategien, die ihr späteres Überleben sicherten.

Das erste Jahr durchhalten

"Gründen mit dem Ziel, schnell reich zu werden und Statussymbole anzuhäufen, finde ich falsch. Wer einen großen BMW fahren will, sollte bei einer großen Firma arbeiten", sagt Vogt.

Bereits ihr erstes Konzept für das Unternehmen war auf das Überstehen der ersten Jahre ausgerichtet. "Ich investierte zunächst meine Ersparnisse. Dadurch konnte ich freier und flexibler agieren."

Über den Tellerrand schauen
Nach ersten Umweltschutzprojekten bekam Dagmar Vogt Mitte der 1990er Jahre Kontakt zur Halbleiterindustrie und von dort zur Solarzellentechnologie. "Ich war immer neugierig und wollte mich mit Anwendungen beschäftigen, die das Büro in der Zukunft weiterbringen."

1998 erarbeitete sie mit ihrem Team erste Konzeptstudien, zum Beispiel für den Solarzellenhersteller Q-Cells, und konzentrierte sich von da an auf die Entwicklung und das Projektmanagement von Fabriken für Photovoltaik.

Platzen der New-Economy-Blase

Bis 2001 lief das Geschäft glänzend, so Vogt zu biz-AWARDS. "Doch nach dem Börsencrash zogen sich Investoren nach und nach zurück, und Gelder flossen spärlicher. Innerhalb eines Vierteljahres brach der Markt fast völlig zusammen – mitten in unserer Wachstumsphase."

Dagmar Vogt stand vor der Wahl: entweder kämpfen oder aufhören. Sie entschied sich: "Ich hielt meinen Lebenstraum in der Hand. Entscheidend war nicht die Frage, was ich tue, sondern dass ich es tue!"

Zusammen mit ihrem achtköpfigen Team und den freien Mitarbeitern stemmte sich Vogt gegen den finanziellen Ruin. Stolz sagt sie: "Alle wollten weitermachen. Und keiner wurde entlassen."

Einsatz aller Mittel
"Für das Überleben setzten wir alle Mittel ein und mobilisierten alles Kapital, das wir bekommen konnten."

Vogt löste ihre privaten Verträge mit Versicherungen und investierte ihre gesamte Altersvorsorge in den Erhalt der Firma. "Knapp 50 Prozent meines Gehalts flossen in dem knapp ein Jahr dauernden Tief in die Kapitaldeckung, Wir standen mehrmals vor der Pleite."

Auf Messen, Kongressen oder per Anruf stellte sie persönliche Kontakte her und konnte so neue potenzielle Investoren und Kunden gewinnen.

Zusammen schaffen wir es

Trotz angespannter Lage stellten sich die Mitarbeiter geschlossen hinter ihre Chefin. "Unser gemeinsames Erlebnis schweißte uns zusammen. Zwischen 2001 und 2002 bauten wir besonders enge Kontakte auf, auch außerhalb der Arbeitszeit. Wir gingen Essen und Tanzen oder planten kleine Events. Jeder konnte mit jedem reden", sagt die Mutmacherin zu biz-AWARDS.

Das enge Verhältnis blieb über die Krise hinaus erhalten. "Zum Jahresende feiern wir immer eine Party mit 240 Gästen. Alle Mitarbeiter und ihre Familien sind eingeladen, dazu Geschäftspartner und Kunden."

Besonderen Halt bekam die studierte Chemikerin von ihren Freunden. "Sie gaben mir ein Essen aus oder hatten ein offenes Ohr. Es war sehr wichtig, über andere Themen sprechen zu können." Dagmar Vogts Augen leuchten.

Am Ende des Tals wartet der Aufstieg
Ende 2001 ging es wieder bergauf, erinnert sie sich. "Das ganze Umfeld änderte sich: Neue Kunden kamen und Investoren investierten wieder. Wir nahmen Unternehmer- und Bürgschaftskredite auf und traten wieder in die Wachstumsfinanzierung."

Trotzdem lag noch viel Überzeugungsarbeit vor Vogt. "Banken und Finanzierer waren zunächst skeptisch. Nicht wegen dem Thema regenerative Energie, sondern wegen dem Ingenieurbüro – die Bauwirtschaft war ja am Boden und viele Büros hatten Insolvenz angemeldet."

Professionelle Meetings

Mit professionellen Unterlagen erarbeitete sich die Selbständige Vertrauen: "Wenn ich mit Banken rede, gehe ich genauso professionell vor wie bei meinen Kunden. Das heißt mit PowerPoint-Präsentation, Businessplan und fundierten Zahlen. Alles unterlegt mit Bildern. So bekommen die Banken eine anschaulichere Vorstellung von unseren Konzepten."

Der Einsatz hat sich gelohnt: Die ib vogt schreibt wieder schwarze Zahlen. Inzwischen beschäftigt Dagmar Vogt 71 Mitarbeiter und plant eine Expansion des Unternehmens ins Ausland.

Doch Dagmar Vogt denkt nicht nur an das Unternehmen. Sie spendet ihr komplettes Preisgeld, um anderen Hilfe zu geben und selbst Mut zu machen.

Spende an Straßenkinder
"Einen Teil des Preisgeldes spenden wir am 12.12. an den Verein 'Straßenkinder' Berlin, um einen neuen Bus für die Essenausgabe zu finanzieren. Ein weiterer Teil wird an die Initiative 'Jugend forscht' und das Internationale Frauennetzwerk 'Women in Science, Engeneering and Technology' gehen."

Im Gespräch sind weitere Spenden für Solarenergieprojekte an Schulen und soziale Einrichtungen, zum Beispiel in Indien, so die Mutmacherin des Jahres 2006.

Kontakt
ib vogt GmbH
Helmholtzstr. 2-9
10587 Berlin

Tel: 030 / 39 74 40 - 0

info@ib-vogt.com
www.ib-vogt.com

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