Innovationspreis Berlin/Brandenburg

Macht Innovation erfolgreich?


Beim diesjährigen Innovationspreis Berlin-Brandenburg sind 166 Unternehmen ins Rennen gegangen, sieben schafften es in die Endrunde, drei sollten als Gewinner auf dem Siegertreppchen stehen.


Wie innovativ die Sieger tatsächlich sind, wird sich allerdings erst später zeigen, wenn - nach der Expertenjury unter Vorsitz des Präsidenten der Bundesanstalt für Materialforschung (BAM), Manfred Hennecke - ein weit mächtiger "Juror" sein Urteil spricht: der Markt.

Denn wie ein Rückblick zeigt, sind längst nicht alle der 79 ausgezeichneten Erfindungen (von insgesamt rund 3000 innovative Geschäftsideen) in den letzten 20 Jahren zu Umsatz-Raketen aufgestiegen.

Erfolgsgeschichten
Mehr noch als die Preissumme von 10.000 Euro zählt für die meisten Firmen der Marketing-Effekt, der sich mit der Innovations-Trophäe verbindet.

"Durch den Gewinn des Innovationspreises konnten wir viele wertvolle Kontakte knüpfen, ohne die wir nicht da stehen würden, wo wir heute stehen", sagt Gerd Heinz von der Adlershofer Gesellschaft zur Förderung angewandter Informatik (GfaI).

Die Gfal erhielt im letzten Jahr die Auszeichnung für ihre "Akustische Kamera". Mit der Technik lassen sich Geräusche auf dem Bildschirm am Ort ihrer Entstehung und in ihrer Lautstärke sichtbar machen.

Um unerwünschte Lärmquellen zu vermeiden, interessiert sich bereits die Industrie für das Verfahren. Mehrere "Kameras" konnte Heinz bereits an die Auto-Industrie verkaufen, jüngst auch an den Sportwagen-Hersteller Porsche.

Auch Uwe Landau, Geschäftsführer der OTB Oberflächentechnik in Berlin GmbH, berichtet von positiven Effekten: "Das Hervorheben von Leistung ist ein wichtiges Instrument für einen Wettbewerbsvergleich und lenkt gleichzeitig die Aufmerksamkeit auf bestimmte Technologieentwicklungen", sagt der Gewinner des Jahres 1999.

Landau: "Unsere Position am Markt wurde durch den Gewinn des Preises gestärkt, den wir ganz gezielt als Werbeinstrument einsetzen."

Schlusslichter
Anderswo scheint die Sonne nicht so hell, selbst wenn das sogar der Geschäftsgegenstand ist. 1997 erhielt das Adlershofer Umwelttechnik-Unternehmen "Alligator Sunshine Technologies GmbH" den Preis für seinen recyclebaren thermischen Solarkollektor.

Doch trotz strategischer Partnerschaften mit dem Energieriesen Shell und dem Dachhersteller Eternit fristete die Solar-Innovation ein Schattendasein. Im Dezember 2001 ging Alligator mit 25 Beschäftigten in Insolvenz.


Börsenkracher mit Explosiv-Produkt

Einen ganz tiefen Fall nahm die TRION Präzisionselektronik GmbH & Co.KG. Das im Berlinerer BIG ansässige Unternehmen unter Leitung von Sami Tabbara erhielt 1988 den Innovationspreis für ein "Bedienterminal für den explosivgefährdeten Raum in der Chemie".

Die Geschäfte liefen zunächst so gut, dass TRION noch vor dem New Economy Boom knapp zehn Jahre später das erste deutsche Unternehmen war, das an die amerikanische Technologiebörse NASDAQ ging. Nichts davon ist geblieben.


Nachbrenner mit Lötpulver

Besser ist es da noch, zumindest auf der Stelle zu treten. Wie etwa die WELCO GmbH, ursprünglich Teltow, jetzt Potsdam, Preisträger des Innovationspreises Berlin/Brandenburg 2000.

WELCOs Erfindung ist Feinstes Lotpulver für die Mikroelektronik, aber die Kundschaft interessiert sich offenbar nur im Ausland dafür: 90 Prozent des Umsatzes macht das Unternehmen mit dem Export.

Bei dieser Marktstruktur hilft auch der Innovationspreis als Werbeinstrument nicht viel, meint WELCO-Geschäftsführer Schulze. "Aber für das Selbstwertgefühl der Mitarbeiter ist er dann doch ganz gut".

Noch immer hat das Unternehmen allerdings lediglich sechs Mitarbeiter. Wenn es gut läuft 2005, könnten es acht werden. Innovieren heißt, dicke Bretter durchbohren zu können. Manchmal ganz langsam.

Studie: Innovationspreis ist billiges Förderinstrument
Neben Firmen mit gutem und durchschnittlichem Wachstum lassen sich in den Annalen auch Pleite-Kandidaten ausmachen, denen die Innovation nichts genutzt hat.

In der Summe laufen allerdings die Geschäfte der Innovationspreisträger besser als beim durchschnittlichen Mittelständler, ergab eine Umfrage der Veranstalter im vorigen Jahr.

Danach lag das durchschnittliche Wachstum der Mitarbeiterzahl liegt bei den Gewinnern mit jährlichen 9,4 Prozent deutlich über den minus 2,2 Prozent, um die das produzierende Gewerbe in Deutschland im letzten Jahr schrumpfte.

Damit werden auch Arbeitsplätze geschaffen. Allein die 25 Preisträger-Unternehmen, die Angaben zu ihrer Mitarbeiterzahl machten, stellten im vergangenen Jahr 86 neue Mitarbeiter ein.

Fazit der Studie: "Im Gegensatz zu der milliardenteuren Förderung von Großprojekten, sind die vergleichsweise bescheidenen öffentlichen Gelder für den Innovationspreis offenbar gut investiert".

Quelle: BerliNews
www.berlinews.de/archiv-2004/3029.shtml

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