Deutscher Gründerpreis

Neugier macht den Erfinder

Ein Abend mit Artur Fischer beim Deutschen Gründerpreis
Artur Fischer tupft mit einem Taschentuch über seine Stirn. Es ist schwül im ZDF-Hauptstadtstudio, in dem der Deutsche Gründerpreis vergeben wird. Heute erfindet Fischer mal nichts. Heute wird er für sein Lebenswerk ausgezeichnet.


Fischer wird in diesem Jahr 90 Jahre alt. Er geht gebeugt, fragt wiederholt nach und neigt den Kopf zur Seite, um besser zu verstehen. Wenn er aber auf sein Leben als Erfinder und Unternehmer zurückblickt, blüht er auf. Er gestikuliert mit den Händen, als wolle er die Erinnerung an seine mehr als 1.000 Erfindungen damit einfangen. Seine Augen leuchten.

Was man braucht, um ein Erfinder zu werden, frage ich. "Erfinder sein ist etwas, das einfach da ist, das aus dem Herzen kommt", antwortet Fischer. Dieses "Etwas" macht er an vier Eigenschaften fest – Eigenschaften für die je einer der heutigen Preisträger beispielhaft steht: Neugier, Mut, Disziplin und Begeisterung.

Ein Bild mit Seltenheitswert: Artur Fischer legt die Hände in den Schoß.


Neugier und Mut
"Nur wer neugierig ist, kann sich auch Gedanken machen", sagt Fischer. Neugierig, wie etwa die Preisträger des Gründerpreises für Schüler, Dentacare. Ich frage mich, ob er sich selbst in den jungen Männern wiedererkennt. Ob er daran zurückdenkt, wie er nach Krieg, britischer Gefangenschaft und Flucht im Jahr 1948 seine eigene Firma gründet. Wie er im Jahr darauf den ersten Synchronblitzer am Fotoapparat erfindet – seine erste Erfindung.

"Man braucht Mut, um so ein Projekt auch wirklich in die Tat umzusetzen", sagt Fischer. Mut, zu dem der geborene Schwarzwälder sicherlich nie gedrängt werden musste – im Gegensatz zu Sonderpreisträger Günter Faltin: Erst seine Studenten überzeugten den Ökonomie-Professor, seine theoretischen Wirtschaftstheorien in die unternehmerische Praxis umzusetzen.

Alles gesund im Mund: Das Schülerteam von Dentacare.


Disziplin und Begeisterung
Fischer sieht mir direkt in die Augen, erwartet die nächste Frage. Es scheint ihm Spaß zu machen, die Vergangenheit hervorzuholen – dem Mann, der 1958 seine wohl bedeutendste Erfindung hervorbrachte: den nach ihm benannten Dübel. Im Beton dehnt sich der Fischer-Dübel aus, wodurch das Durchdrehen verhindert wird.

"Man braucht Disziplin – um bei der Sache zu bleiben und auch dafür zu kämpfen, wenn es mal Gegenwind gibt." Für das Kämpfen steht am heutigen Abend Nanion Technologies, Preisträger in der Kategorie "Aufsteiger". Das Unternehmen geriet 2003 in finanzielle Schwierigkeiten und ging gestärkt daraus hervor.

"Das Wichtigste aber", sagt Fischer, "ist die Begeisterung und die Freude am Schaffen. Der Kommerz steht erst an zweiter Stelle." So wie beim "Start-up"-Preisträger True Fruits, der den "Smoothie" am deutschen Markt einführte, ein kleines hochwertiges Fruchtsaft-Getränk. Statt den Saft in einer günstigen Plastikflasche zu vertreiben, entwarf man eine Glasflasche, die heute das Markenzeichen des Unternehmens ist.

Wer ist die wahre Frucht? True Fruits Gründer Knauf, Koster und Lecloux (v.l.n.r.).


Die Kunst des Erfindens
Die Liebe zum Objekt steht auch bei Fischer vor dem Kostenfaktor. Er vergleicht das Erfinden mit der Kunst: "Erfinder erschaffen etwas Neues – genau wie Künstler es tun." Ob es eine Erfindung gibt, auf die er besonders stolz ist, will ich noch wissen. "Nein, ich habe alle gleich gern", sagt Fischer. "Wie ein Vater seine Kinder."

Weitere Informationen zum Deutschen Gründerpreis erhalten Sie im Wettbewerbseintrag und unter www.deutscher-gruenderpreis.de.

2 Kommentare:
von Gerd Bohrfutter am 13.10.2009 - 20:45 Uhrhttp://www.fischerfratze.de

von Gerd Bohrfutter am 13.10.2009 - 20:44 UhrNanu, was meint Herr Artur Fischer mit "Vater der seine Kinder liebt"?
Meint er etwa auch seine schwerbehinderte Tochter Margot?
Da gibt es aber eine andere Sichtweise:

http://www.fischer... alles richtig erzählen, Herr Artur Fischer.
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