Business Angels
Business-Angels – Neue Aufgaben für die nächste Dekade?
Ein Gastbeitrag von Florian Schumacher
Start-Ups in der Seed-Phase haben vor allem ein Problem: die Kapitallücke zwischen Kapitalbedarf und eingebrachtem Eigenkapital. Genau dies ist im Regelfall die Stufe der Unternehmens-Entwicklung, in der Business Angels ihr Kapital investieren – in der Regel als Minderheitsbeteiligung von circa zehn Prozent und in Form der offenen Beteiligung.
Florian Schumacher, Projektmanager beim Business Angels Netzwerk Deutschland e. V., spricht über die Business-Angel-Aufgaben in den nächsten Jahren.
Kleine Firma = kein Kredit
Banken geben keinen Kredit, da die Firmen zu klein und schwer zu bewerten sind – oder weil keine Sicherheiten vorhanden sind.
Venture Capital-Gesellschaften haben sich seit dem Zusammenbruch der IT-Blase mit einigen wenigen rühmlichen Ausnahmen aus diesem Investitionssegment weitgehend zurückgezogen: Ihnen sind die Kosten in diesem betreuungs-aufwendigen Zeitraum (Gründung) im Verhältnis zur möglichen Rendite zu hoch. Und das Risiko lässt sich in einem so frühen Unternehmens-abschnitt viel schlechter abschätzen, als wenn die Unternehmen mit ihren Produkten bereits am Markt sind.
Lücke abdecken
Zu Recht hat die öffentliche Hand mit dem High-Tech-Gründerfonds des Bundes und den zahlreichen Seedfonds der Länder versucht, diese Lücke abzudecken. Die Frage ist, ob dies auf Dauer ausreichend sein kann, wenn die deutsche Volkswirtschaft technologisch in neuen Branchen und neuen Technologien mithalten will.
Ein Blick ins gelobte Land der Business Angels - in die USA zeigt – dass dort jährlich etwa 25 Milliarden Euro allein im informellen Beteiligungsmarkt investiert werden. Also durch Business Angels, die dort in der Seed-Phase den weitaus stärksten Anteil stellen.
Auf Einwohner umgerechnet müssten demnach in Deutschland 6.250 Millionen Euro investiert werden – eine Summe, die nie ausschließlich durch öffentliche Seedfonds erreicht werden kann. Insgesamt dürften diese auf fünf bis sechs Jahre ausgelegten Fonds ein Volumen von maximale einer Milliarde Euro zur Verfügung haben, pro Jahr also etwa 200 Millionen Euro.
Privates Investment stärken
Es ist also nötig, privates Investment in der Seed-Phase zu verstärken. In Deutschland beträgt die Beteiligungssumme von Business Angels nach einer Untersuchung des ZEW 190 Millionen Euro.
Da sich diese Studie nur auf einen Teilmarkt, nämlich Erst-Investitionen von Business Angels in High-Tech Start-ups bezieht, dürfte der tatsächliche Wert unter Einbeziehung von Niicht-High-Tech-Unternehmen und der häufigen Zweitinvestitionen bei 300 Millionen Euro und darüber liegen.
Auf Einwohnerzahlen umgerechnet heißt das, dass in den USA mindestens das 20-fache durch Business Angels investiert wird.
Ist Deutschlands ein Entwicklungsland?
Ist Deutschland also ein Entwicklungsland? Nicht ganz. Vor zehn Jahren wurde das Business Angels-Netzwerk Deutschland e. V. (BAND) gegründet.
Heute gibt es 40 Business Angels-Netzwerke, die flächendeckend verbreitet sind und unterschiedlichste Ausformungen haben. Mehr als 1.000 Business Angels sind in ihnen organisiert.
Die ZEW-Studie schätzt die Gesamtzahl der Business Angels auf 5.000. Es gibt inzwischen bekannte Namen, so die jährlich von BAND mit der "Goldenen Nase" geehrten Business Angels des Jahres. Es gibt einen regen Austausch mit den europäischen Nachbarländern und den USA.
Der Deutsche Business Angels Tag, 2008 am 16. und 17. November in Berlin und Potsdam, ist der jährliche Treffpunkt der Szene. Er ist Kongress, Messe und Networking-Event. Die Akteure des Marktes tauschen sich über Ihre Erfahrungen aus, junge Unternehmen präsentieren ihre Ideen. Die Öffentlichkeit sowie die Politik haben die Möglichkeit zum direkten Dialog mit Gründern, Investoren und Intermediären.
Basis gelegt, aber das reicht nicht
Richtig ist also vielmehr, dass in Deutschland die Basis für eine Business Angels-Kultur gelegt wurde. Es ist nun eine Phase zu starten, in der "Neue Horizonte" (so das Motto des diesjährigen Deutschen Business Angels Tages) anzupeilen sind – bei Fragen und Themen.
Wir müssen uns fragen, warum die Verbindung mit anderen Business Angels, Business Angels-Clubs (Investorengruppen, die von den beteiligten Angels selbst verwaltet werden) und Co-Ventures mit Venture Capital-Gesellschaften noch nicht das Ausmaß und die Selbstverständlichkeit erreicht haben, wie dies seit langen erwartet wurde.
Warum funktioniert bei uns und im übrigen Europa die typische USA-Form der Business Angels-Investition nicht – nämlich die durch Business Angel Groups. Dort investieren bis zu 20 oder 30 Business Angels gemeinsam. Mit kleinem Geld und dem Einbringen ihres Know-hows steuern sie den "Champion" unter ihnen.
Investitionen verstärken
Daher müssen wir bei Gründern und auch bei vielen Business Angels das Wissen über das Beteiligungsgeschehen verbessern. Dadurch kann die Deal-Häufigkeit und die Deal-Qualität gesteigert, und manche Enttäuschung auf beiden Seiten vermieden werden.
Die BANDakademie zeigt, wie es gehen könnte. Aber der systematische und strukturierte Aufbau als Qualifizierungsinstitution war bislang mangels Finanzierung nicht möglich.
Es kommt darauf an, sich beim Erfahrungsaustausch und bei der Qualifizierung stärker auf Details des Beteiligungs-Geschehens zu konzentrieren. Welche Chancen, welche Risiken bieten Cross-Border-Investments. Welche Länder mit welchen Branchen sind zu bevorzugen? Der Sprung über den großen Teich – ist er nach wie vor entscheidend für den ganz großen Erfolg?
In unterschiedlichen Phasen der Beteiligung stehen unterschiedliche Aufgaben für den Business Angel und das Team im Vordergrund: Welches sind die Lebenszyklen einer Beteiligung und worauf muss das geachtet werden? Viele Business Angels haben ein beachtliches Beteiligungsportfolio von bis zu 10 Beteiligungen. Welcher besonderen Managementvorkehrungen bedarf es, um das Portfolio optimal zu betreuen? Gibt es Tipps, um das Portfolio möglichst risikoarm zu streuen und zu steuern?
Wo wir heute stehen
Schließlich gibt es noch die immerwährenden Themen, die besser ausgeleuchtet werden müssen als bisher: Die Fragen der Exitplanung und -vorbereitung müssen viel stärker diskutiert und die Erfahrungen von VC Gebern müssen einbezogen werden – aber auch die Alternativen zum Exit, wenn dieser nicht oder noch nicht zustande kommt.
Und wir müssen erreichen, dass nicht so viele Beteiligungen an der Frage der Bewertung des Unternehmens scheitern. Gerade hier ist nötig, dass beide Seiten wissen, wie die andere tickt.
Nach zehn Jahren organisierter und institutionalisierter Business Angels-Kultur in Deutschland lässt sich also sagen, dass sich der informelle Beteiligungsmarkt etabliert hat und reifer geworden ist.
Es nun differenziert zu prüfen, welche Defizite uns von den lange etablierten Märkten trennen. Was helfen könnte? Wenn die volkswirtschaftliche Bedeutung von etablierten Business Angels-Märkten stärker im Bewusstsein breiter Bevölkerungsschichten verankert wäre. Immerhin hat, wie das Wagniskapitalgesetz zeigt, bei der Politik ein gewisses Umdenken begonnen.
Wer die Ergebnisse von 10 Jahren Business Angels-Arbeit erleben und die Akteure des informellen Beteiligungs-Kapitalmarktes kennenlernen möchte, findet auf dem "Deutschen Business Angels Tag 2008" am 16. und 17. November 2008 in Berlin sowie Potsdam eine ideale Gelegenheit.
Über BAND
Das Business Angels Netzwerk Deutschland e.V. (BAND) engagiert sich für den Aufbau der Business Angels Kultur in Deutschland, organisiert den Erfahrungsaustausch und fördert Kooperationen.
Als Dachverband des informellen Beteiligungskapitalmarktes ist BAND Sprecher der Business Angels Netzwerke gegenüber Politik und Öffentlichkeit und vertritt im Interesse junger innovativer Unternehmen die Belange der Business Angels.
www.business-angels.de
Deutscher Business Angel Tag
Florian Schumacher, Projektmanager beim Business Angels Netzwerk Deutschland e. V., spricht über die Business-Angel-Aufgaben in den nächsten Jahren.
Kleine Firma = kein Kredit
Banken geben keinen Kredit, da die Firmen zu klein und schwer zu bewerten sind – oder weil keine Sicherheiten vorhanden sind.
Venture Capital-Gesellschaften haben sich seit dem Zusammenbruch der IT-Blase mit einigen wenigen rühmlichen Ausnahmen aus diesem Investitionssegment weitgehend zurückgezogen: Ihnen sind die Kosten in diesem betreuungs-aufwendigen Zeitraum (Gründung) im Verhältnis zur möglichen Rendite zu hoch. Und das Risiko lässt sich in einem so frühen Unternehmens-abschnitt viel schlechter abschätzen, als wenn die Unternehmen mit ihren Produkten bereits am Markt sind.
Lücke abdecken
Zu Recht hat die öffentliche Hand mit dem High-Tech-Gründerfonds des Bundes und den zahlreichen Seedfonds der Länder versucht, diese Lücke abzudecken. Die Frage ist, ob dies auf Dauer ausreichend sein kann, wenn die deutsche Volkswirtschaft technologisch in neuen Branchen und neuen Technologien mithalten will.
Ein Blick ins gelobte Land der Business Angels - in die USA zeigt – dass dort jährlich etwa 25 Milliarden Euro allein im informellen Beteiligungsmarkt investiert werden. Also durch Business Angels, die dort in der Seed-Phase den weitaus stärksten Anteil stellen.
Auf Einwohner umgerechnet müssten demnach in Deutschland 6.250 Millionen Euro investiert werden – eine Summe, die nie ausschließlich durch öffentliche Seedfonds erreicht werden kann. Insgesamt dürften diese auf fünf bis sechs Jahre ausgelegten Fonds ein Volumen von maximale einer Milliarde Euro zur Verfügung haben, pro Jahr also etwa 200 Millionen Euro.
Privates Investment stärken
Es ist also nötig, privates Investment in der Seed-Phase zu verstärken. In Deutschland beträgt die Beteiligungssumme von Business Angels nach einer Untersuchung des ZEW 190 Millionen Euro.
Da sich diese Studie nur auf einen Teilmarkt, nämlich Erst-Investitionen von Business Angels in High-Tech Start-ups bezieht, dürfte der tatsächliche Wert unter Einbeziehung von Niicht-High-Tech-Unternehmen und der häufigen Zweitinvestitionen bei 300 Millionen Euro und darüber liegen.
Auf Einwohnerzahlen umgerechnet heißt das, dass in den USA mindestens das 20-fache durch Business Angels investiert wird.
Ist Deutschlands ein Entwicklungsland?
Ist Deutschland also ein Entwicklungsland? Nicht ganz. Vor zehn Jahren wurde das Business Angels-Netzwerk Deutschland e. V. (BAND) gegründet.
Heute gibt es 40 Business Angels-Netzwerke, die flächendeckend verbreitet sind und unterschiedlichste Ausformungen haben. Mehr als 1.000 Business Angels sind in ihnen organisiert.
Die ZEW-Studie schätzt die Gesamtzahl der Business Angels auf 5.000. Es gibt inzwischen bekannte Namen, so die jährlich von BAND mit der "Goldenen Nase" geehrten Business Angels des Jahres. Es gibt einen regen Austausch mit den europäischen Nachbarländern und den USA.
Der Deutsche Business Angels Tag, 2008 am 16. und 17. November in Berlin und Potsdam, ist der jährliche Treffpunkt der Szene. Er ist Kongress, Messe und Networking-Event. Die Akteure des Marktes tauschen sich über Ihre Erfahrungen aus, junge Unternehmen präsentieren ihre Ideen. Die Öffentlichkeit sowie die Politik haben die Möglichkeit zum direkten Dialog mit Gründern, Investoren und Intermediären.
Basis gelegt, aber das reicht nicht
Richtig ist also vielmehr, dass in Deutschland die Basis für eine Business Angels-Kultur gelegt wurde. Es ist nun eine Phase zu starten, in der "Neue Horizonte" (so das Motto des diesjährigen Deutschen Business Angels Tages) anzupeilen sind – bei Fragen und Themen.
Wir müssen uns fragen, warum die Verbindung mit anderen Business Angels, Business Angels-Clubs (Investorengruppen, die von den beteiligten Angels selbst verwaltet werden) und Co-Ventures mit Venture Capital-Gesellschaften noch nicht das Ausmaß und die Selbstverständlichkeit erreicht haben, wie dies seit langen erwartet wurde.
Warum funktioniert bei uns und im übrigen Europa die typische USA-Form der Business Angels-Investition nicht – nämlich die durch Business Angel Groups. Dort investieren bis zu 20 oder 30 Business Angels gemeinsam. Mit kleinem Geld und dem Einbringen ihres Know-hows steuern sie den "Champion" unter ihnen.
Investitionen verstärken
Daher müssen wir bei Gründern und auch bei vielen Business Angels das Wissen über das Beteiligungsgeschehen verbessern. Dadurch kann die Deal-Häufigkeit und die Deal-Qualität gesteigert, und manche Enttäuschung auf beiden Seiten vermieden werden.
Die BANDakademie zeigt, wie es gehen könnte. Aber der systematische und strukturierte Aufbau als Qualifizierungsinstitution war bislang mangels Finanzierung nicht möglich.
Es kommt darauf an, sich beim Erfahrungsaustausch und bei der Qualifizierung stärker auf Details des Beteiligungs-Geschehens zu konzentrieren. Welche Chancen, welche Risiken bieten Cross-Border-Investments. Welche Länder mit welchen Branchen sind zu bevorzugen? Der Sprung über den großen Teich – ist er nach wie vor entscheidend für den ganz großen Erfolg?
In unterschiedlichen Phasen der Beteiligung stehen unterschiedliche Aufgaben für den Business Angel und das Team im Vordergrund: Welches sind die Lebenszyklen einer Beteiligung und worauf muss das geachtet werden? Viele Business Angels haben ein beachtliches Beteiligungsportfolio von bis zu 10 Beteiligungen. Welcher besonderen Managementvorkehrungen bedarf es, um das Portfolio optimal zu betreuen? Gibt es Tipps, um das Portfolio möglichst risikoarm zu streuen und zu steuern?
Wo wir heute stehen
Schließlich gibt es noch die immerwährenden Themen, die besser ausgeleuchtet werden müssen als bisher: Die Fragen der Exitplanung und -vorbereitung müssen viel stärker diskutiert und die Erfahrungen von VC Gebern müssen einbezogen werden – aber auch die Alternativen zum Exit, wenn dieser nicht oder noch nicht zustande kommt.
Und wir müssen erreichen, dass nicht so viele Beteiligungen an der Frage der Bewertung des Unternehmens scheitern. Gerade hier ist nötig, dass beide Seiten wissen, wie die andere tickt.
Nach zehn Jahren organisierter und institutionalisierter Business Angels-Kultur in Deutschland lässt sich also sagen, dass sich der informelle Beteiligungsmarkt etabliert hat und reifer geworden ist.
Es nun differenziert zu prüfen, welche Defizite uns von den lange etablierten Märkten trennen. Was helfen könnte? Wenn die volkswirtschaftliche Bedeutung von etablierten Business Angels-Märkten stärker im Bewusstsein breiter Bevölkerungsschichten verankert wäre. Immerhin hat, wie das Wagniskapitalgesetz zeigt, bei der Politik ein gewisses Umdenken begonnen.
Wer die Ergebnisse von 10 Jahren Business Angels-Arbeit erleben und die Akteure des informellen Beteiligungs-Kapitalmarktes kennenlernen möchte, findet auf dem "Deutschen Business Angels Tag 2008" am 16. und 17. November 2008 in Berlin sowie Potsdam eine ideale Gelegenheit.
Über BAND
Das Business Angels Netzwerk Deutschland e.V. (BAND) engagiert sich für den Aufbau der Business Angels Kultur in Deutschland, organisiert den Erfahrungsaustausch und fördert Kooperationen.
Als Dachverband des informellen Beteiligungskapitalmarktes ist BAND Sprecher der Business Angels Netzwerke gegenüber Politik und Öffentlichkeit und vertritt im Interesse junger innovativer Unternehmen die Belange der Business Angels.
www.business-angels.de
Deutscher Business Angel Tag
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