Erst Teilnehmer, dann Juror und jetzt Veranstalter: Knut O.E. Pankrath hat einen Businessplan-Wettbewerb ins Leben gerufen – im Berliner Stadtteil Moabit, einem sozialen Brennpunkt der Hauptstadt.

Moabit: mehr als die JVA / Foto: Thomas Kuemmerle / PIXELIO
Pankrath, einst Teilnehmer und heute Juror beim
Businessplan-Wettbewerb Berlin-Brandenburg, erzählt im Interview, welche Idee hinter dem
mikroBPW Moabit-West steht und wen er damit erreichen will.
biz-AWARDS: Wie entstand die Idee, einen eigenen Businessplan-Wettbewerb ins Leben zu rufen?
Knut O. E. Pankrath: "Meine Erfahrung ist: Viele verstehen gar nicht, worum es bei einem Businessplan geht und wie man ein eigenes Geschäft aufzieht. Dadurch werden 85 Prozent der Leute von vornherein als Gründer ausgeschlossen. Genau die möchten wir mit unserem Pilotprojekt erreichen.
Was wir uns vorstellen, könnte man "Wirtschaft von unten" nennen. Das heißt, wir wollen Menschen aus Moabit an das Thema Wirtschaft heranführen, die kein Budget haben und sich nicht trauen, ihrer Geschäftsidee ernsthaft nachzugehen. Wir denken da beispielsweise an den Hartz-IV-Empfänger, der gerne einen Obstladen eröffnen würde, aber nicht weiß wie."
biz-AWARDS: Warum gerade in Moabit?
Knut O. E. Pankrath: "Viele Leute von außerhalb kennen nur das Gefängnis und das war es. Ich wohne hier und fühle mich dem Kiez verbunden. Ich möchte den Leuten hier etwas anbieten und dabei helfen, Moabit aus seiner grauen Ecke zu holen.
Das
Quartiersmanagement Moabit-West startet jährlich einen Aufruf für soziokulturelle Projekte. Da haben wir uns mit der Idee eines Business-Wettbewerbs für die Quartiersbewohner beworben und im Pitch durchgesetzt. Dafür erhalten wir nun Fördermittel aus dem Quartiersfonds 2."
biz-AWARDS: Wofür steht "mikro"?
Knut O. E. Pankrath: "mikroBPW bedeutet: Wir lassen alles weg, was ein Business-Wettbewerb in diesem lokalen Rahmen nicht braucht. Es gibt zum Beispiel kein begleitendes, in irgendwelchen angemieteten Räumen stattfindendes, zeitlich starres Seminar-Programm. Stattdessen bieten wir Lernvideos im Internet. Das sind in der Regel kleine Podcasts mit bewegten oder unbewegten Bildern. Von denen lernen die Teilnehmer, worauf sie bei ihrem Konzept achten sollten. Die Videos sind auch rund um die Uhr erreichbar."
Mikro bedeutet auch: Es gibt nur eine Wettbewerbsstufe. Die Teilnehmer erhalten einen Fragenkatalog mit 15 detaillierten Fragen. Wenn die Teilnehmer diese Fragen beantworten, erhält man einen "Rumpf-Businessplan", den wir dann nach einem Punktbewertungsverfahren beurteilen. Außerdem gibt es keinen festen Stichtag für die Abgabe. Die Teilnehmer können ihren Plan zwischen dem 1. Juli und dem 30. September 2009 abgeben."
biz-AWARDS: Worin liegt der Nutzen für die Teilnehmer?
Knut O. E. Pankrath: "Alle Teilnehmer erhalten zu ihrer Geschäftsidee kostenlos ein fachkundiges Feedback von zwei erfahrenen Juroren: von meinem Kollegen Olaf Hinrichsen vom Mathe-Nachhilfeportal
oberprima.com und von mir.
Feedback bedeutet auch, im Zweifelsfall raten wir von einer Laufbahn als Unternehmer ab – nämlich dann, wenn das unternehmerische Denken komplett fehlt. Anderen werden wir empfehlen, sich zu bestimmten Punkten noch einmal beraten zu lassen. Und im besten Fall sagen wir: Das ist so gut, mach doch mal beim "richtigen" Businessplan-Wettbewerb mit.
Zudem ermutigen wir vielleicht Menschen, bei denen der Wille zum Gründen grundsätzlich vorhanden ist, denen es aber an Know-how und Budget mangelt. Die können wir dann auch auf bestimmte Beratungsangebote oder Wirtschaftsförderungen hinweisen.
Und mit ein wenig Glück gibt es auch ein paar Gewinne, die wir unter den Teilnehmern verlosen."
biz-AWARDS: Bisher waren Sie als Juror des BPW tätig. Was ist der Unterschied bei der neuen Rolle als Veranstalter?
Knut O. E. Pankrath: "Als Juror gehe ich direkt in die Materie und bewerte einen guten oder schlechten Businessplan. Als Ausrichter muss ich mich um viel mehr Formalitäten kümmern: Wie viele Logos müssen da und da hin? Wie gestalten wir die Abgabe? Und so weiter. Es ist viel Aufwand und ich merke, dass ich da noch geduldiger werden muss."
biz-AWARDS: Wie geht es weiter mit dem mikroBPW?
Knut O. E. Pankrath: "Wir überlegen, das Konzept weiter auszurollen. Es gibt bereits Leute außerhalb Berlins, die die Idee gut finden und uns beobachten. Wenn wir zeigen, dass das ganze funktioniert, könnte in Zukunft ähnliches in anderen Berliner Stadtteilen oder auch anderen Städten entstehen."
biz-AWARDS: Vielen Dank für das Interview..
Mehr Informationen zum mikroBPW Moabit-West erhalten Sie unter
www.mikrobpw.de.
Über Knut O. E. Pankrath
Knut O. E. Pankrath ist Experte für Businessblogs und arbeitet als
Impuls- und
Unternehmensberater. In seinem
Businessplan-Blog berichtet er regelmäßig von seiner Arbeit als Juror beim
Businessplan-Wettbewerb Berlin-Brandenburg.
Foto/JVA: © Thomas Kuemmerle /
PIXELIO