Award-Marketing
Wettbewerb contra Netzwerk?
Forum Kiedrich-Geschäftsführerin Claudia Erben über die Konkurrenz der Wettbewerbe untereinander
Gründer können jede Förderung gebrauchen, um ihr Unternehmen auf die Beine zu stellen. Zahlreiche Gründerwettbewerbe und -Initiativen werben um die Beteiligung der Gründer.
Claudia Erben vom Forum Kiedrich empfiehlt im Interview, auf den Charakter der Veranstaltungen zu achten – und im Zweifel der Vernetzung den Vorrang vor Ausscheidungswettbewerben zu geben.
Dieses "the Winner takes it all" kann nur denjenigen motivieren, der sich seiner überragenden Geschäftsidee ziemlich sicher ist und der sich der Konkurrenz ohne wenn und aber stellen will.
Daneben ist ein immer stärkerer Trend zu Synergien, Win-Win-Situationen und Kooperationen zu verzeichnen, der mit Wettbewerben wenig kompatibel ist.
Es geht dann also um die Auswahl der Besten?
CE: Gerade da habe ich meine Zweifel. Viele Wettbewerbe beurteilen nach Papierform. Doch ein sehr guter Businessplan sagt noch nichts über die eigentlichen Stärken eines Gründers aus.
Geschäftlicher Erfolg basiert auf mehr als nur schönen Zahlen. Eine technische Revolution wie das Telefon, der PC und der GPS-Mode im Handy vor gerade einmal fünf Jahren wurden anfangs mehrheitlich belächelt.
Wer also im Wettbewerb hinten liegt, kann durchaus am Markt die Nase vorn haben – und, wie die Erfahrung zeigt, auch umgekehrt.
Was ist mit den Kontakten bei Wettbewerben, sind die überflüssig?
CE: Kontakte sind das A und O für Gründer. Einige Wettbewerbe sind jedoch weniger darauf zugeschnitten, Kontakte zu fördern. Nach der Bewertung der Arbeit geschieht häufig nicht mehr viel.
Aus der Erfahrung von Forum Kiedrich heraus, das auf die gegenseitige Vernetzung setzt, nutzt es gerade jungen Gründern, kontinuierlich gefordert zu werden und Kontakte immer wieder neu aufzugreifen.
In so einem Netzwerk muss man sich allerdings auch bewegen können. Überzeugungskraft, Extrovertiertheit und Kooperationsfähigkeit sind gefragt – nicht jedoch Ellenbogen.
Entsteht dann nicht wieder Konkurrenz, wer die besten Kontakte macht?
CE: Ohne Konkurrenz funktioniert das Wirtschaftsleben nicht. Jeder muss sich der Konkurrenz am Markt stellen. Doch wir finden es besser, wenn ein Gründer sich dabei auf ein nachhaltig tätiges Netzwerk stützen kann.
Wir wollen durch die Netzwerkbildung auch die Angst vor dem Scheitern nehmen. Forum Kiedrich nutzt eine Art Baukastenprinzip aus Seminaren, Alumni-Workshops und Coaching, um systematisch Netzwerke aufzubauen, die über Jahre Bestand haben.
Dass sich das bewährt hat, zeigt die vergleichsweise hohe Zahl von "langlebigen" Gründern aus dem Gründermarkt. Rund 65 Prozent der "Forum KIEDRICH"-Gründerunternehmen sind mittlerweile älter als fünf Jahre.
Aber auch beim Forum Kiedrich werden die Teilnehmer aus einer Vielzahl von Bewerbern ausgesucht.
CE: Wer sich mit einer innovativen Geschäftsidee – oft im High-Tech- oder IT-Bereich – bewirbt, hat eine gute Chance, an einem unserer Gründermärkte teilzunehmen und dadurch in das Netzwerk aufgenommen zu werden.
Unser Anspruch an das, was Mentoren und Alumni an Präsentationen beim Gründermarkt sehen wollen, umfasst eine neuartige, überzeugende Geschäftsidee mit einem hohen Kundennutzen, ein gutes Team, glaubhafte Finanzierungsschritte und eine Aussage dazu, wie das Konzept zu neuen Arbeitsplätzen führt.
Dass wir viel erwarten, wissen viele unserer potenziellen Bewerber. Insofern sind alle, die teilnehmen, letztlich Gewinner. Wir küren keine Einzelpersonen. Auslese als alleiniges Prinzip halten wir in unserem Bereich für falsch.
Doch eine zu frühe Auslese ist schädlich. Daran krankt meiner Meinung nach auch unser Bildungssystem. Laut OECD gibt es nirgends einen so engen Zusammenhang zwischen Herkunft und Erfolg.
Wir möchten den Gründern vorleben, dass sich soziales Verhalten auszahlen kann. Die "Star Alliance" der Fluglinien etwa ist so erfolgreich, weil es sich um ein Netzwerk von Gleichberechtigten handelt.
Die Fragen stellte Charlotte Schmitz.
Zum Forum Kiedrich
Seit 1997 lädt das Forum Kiedrich zweimal im Jahr junge Unternehmer ein, sich auf dem Gründermarkt zu präsentieren. Dazu gibt es Kontakte zu Mentoren, Kooperationspartnern und Risikokapitalgebern.
Noch heute kommen Jungunternehmer zum Gründermarkt, die sich bei den ersten Gründermärkten präsentiert haben.
Mehr Informationen zum Forum KIEDRICH Gründermarkt gibt es im Wettbewerbseintrag.
Gründer können jede Förderung gebrauchen, um ihr Unternehmen auf die Beine zu stellen. Zahlreiche Gründerwettbewerbe und -Initiativen werben um die Beteiligung der Gründer.

Claudia Erben
Frau Erben, sollten Gründer auf die Teilnahme an Wettbewerben verzichten?
Claudia Erben (CE): Nein, auf keinen Fall. Sie lernen schon bei der Vorbereitung viel. Der Kandidat erkennt häufig selbst, ob er soweit ist, sich der Konkurrenz zu stellen. Gründer sollten sich allerdings darüber im Klaren sein, dass Wettbewerbe einige wenige Gewinner und viele Verlierer erzeugen.Dieses "the Winner takes it all" kann nur denjenigen motivieren, der sich seiner überragenden Geschäftsidee ziemlich sicher ist und der sich der Konkurrenz ohne wenn und aber stellen will.
Daneben ist ein immer stärkerer Trend zu Synergien, Win-Win-Situationen und Kooperationen zu verzeichnen, der mit Wettbewerben wenig kompatibel ist.
Es geht dann also um die Auswahl der Besten?
CE: Gerade da habe ich meine Zweifel. Viele Wettbewerbe beurteilen nach Papierform. Doch ein sehr guter Businessplan sagt noch nichts über die eigentlichen Stärken eines Gründers aus.
Geschäftlicher Erfolg basiert auf mehr als nur schönen Zahlen. Eine technische Revolution wie das Telefon, der PC und der GPS-Mode im Handy vor gerade einmal fünf Jahren wurden anfangs mehrheitlich belächelt.
Wer also im Wettbewerb hinten liegt, kann durchaus am Markt die Nase vorn haben – und, wie die Erfahrung zeigt, auch umgekehrt.
Was ist mit den Kontakten bei Wettbewerben, sind die überflüssig?
CE: Kontakte sind das A und O für Gründer. Einige Wettbewerbe sind jedoch weniger darauf zugeschnitten, Kontakte zu fördern. Nach der Bewertung der Arbeit geschieht häufig nicht mehr viel.
Aus der Erfahrung von Forum Kiedrich heraus, das auf die gegenseitige Vernetzung setzt, nutzt es gerade jungen Gründern, kontinuierlich gefordert zu werden und Kontakte immer wieder neu aufzugreifen.
In so einem Netzwerk muss man sich allerdings auch bewegen können. Überzeugungskraft, Extrovertiertheit und Kooperationsfähigkeit sind gefragt – nicht jedoch Ellenbogen.
Entsteht dann nicht wieder Konkurrenz, wer die besten Kontakte macht?
CE: Ohne Konkurrenz funktioniert das Wirtschaftsleben nicht. Jeder muss sich der Konkurrenz am Markt stellen. Doch wir finden es besser, wenn ein Gründer sich dabei auf ein nachhaltig tätiges Netzwerk stützen kann.
Wir wollen durch die Netzwerkbildung auch die Angst vor dem Scheitern nehmen. Forum Kiedrich nutzt eine Art Baukastenprinzip aus Seminaren, Alumni-Workshops und Coaching, um systematisch Netzwerke aufzubauen, die über Jahre Bestand haben.
Dass sich das bewährt hat, zeigt die vergleichsweise hohe Zahl von "langlebigen" Gründern aus dem Gründermarkt. Rund 65 Prozent der "Forum KIEDRICH"-Gründerunternehmen sind mittlerweile älter als fünf Jahre.
Aber auch beim Forum Kiedrich werden die Teilnehmer aus einer Vielzahl von Bewerbern ausgesucht.
CE: Wer sich mit einer innovativen Geschäftsidee – oft im High-Tech- oder IT-Bereich – bewirbt, hat eine gute Chance, an einem unserer Gründermärkte teilzunehmen und dadurch in das Netzwerk aufgenommen zu werden.
Unser Anspruch an das, was Mentoren und Alumni an Präsentationen beim Gründermarkt sehen wollen, umfasst eine neuartige, überzeugende Geschäftsidee mit einem hohen Kundennutzen, ein gutes Team, glaubhafte Finanzierungsschritte und eine Aussage dazu, wie das Konzept zu neuen Arbeitsplätzen führt.
Dass wir viel erwarten, wissen viele unserer potenziellen Bewerber. Insofern sind alle, die teilnehmen, letztlich Gewinner. Wir küren keine Einzelpersonen. Auslese als alleiniges Prinzip halten wir in unserem Bereich für falsch.
Warum gibt es dann so viele Gründerwettbewerbe?
CE: Sponsoren lieben es, sich mit Siegern zu identifizieren. Wettbewerbe sind einfach zu kommunizieren, sie erzeugen eine hohe Aufmerksamkeit.Doch eine zu frühe Auslese ist schädlich. Daran krankt meiner Meinung nach auch unser Bildungssystem. Laut OECD gibt es nirgends einen so engen Zusammenhang zwischen Herkunft und Erfolg.
Was sehen Sie als Alternative?
CE: Eine regelmäßige Verbindung zu Gründern über einen mittelfristigen Zeitraum. Wir wollen vermitteln, dass es auch in der Wirtschaft ein "Miteinander" geben kann und setzen dabei durchaus auf eine moderne Wirtschaftsethik.Wir möchten den Gründern vorleben, dass sich soziales Verhalten auszahlen kann. Die "Star Alliance" der Fluglinien etwa ist so erfolgreich, weil es sich um ein Netzwerk von Gleichberechtigten handelt.
Vielen Dank für das Gespräch.
Die Fragen stellte Charlotte Schmitz.
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Seit 1997 lädt das Forum Kiedrich zweimal im Jahr junge Unternehmer ein, sich auf dem Gründermarkt zu präsentieren. Dazu gibt es Kontakte zu Mentoren, Kooperationspartnern und Risikokapitalgebern.
Noch heute kommen Jungunternehmer zum Gründermarkt, die sich bei den ersten Gründermärkten präsentiert haben.
Mehr Informationen zum Forum KIEDRICH Gründermarkt gibt es im Wettbewerbseintrag.
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