Zukunftspreis Kommunikation

'Wir holen das Web 2.0 zurück auf die Strasse'



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Falk von Zobeltitz
Der Zukunftspreis Kommunikation 2008 geht in den Endspurt. Im vergangenen Jahr gewannen Falk von Zobeltitz und Marius Bell mit ihrem Projekt "Räume verbinden". biz-AWARDS sprach mit den Siegern über ihre Wettbewerbs-Erfahrungen und die Idee ihres Sieger-Konzeptes.


biz-AWARDS: Aus welchen Gründen haben Sie sich zur Teilnahme am Wettbewerb entschlossen?
"Für Designer ist es durchaus üblich, an Wettbewerben teilzunehmen. Wettbewerbe bieten die Möglichkeit, seine Arbeiten einer Öffentlichkeit zu präsentieren und ein professionelles Jury-Feedback zu erhalten.

Der Aufwand hält sich dabei in Grenzen. Als Designer arbeitet man ja immer an irgendwelchen Projekten. Nicht zuletzt lockt natürlich auch das Preisgeld."

bA: Was ist das besondere am Zukunftspreis Kommunikation?
"Der Zukunftspreis Kommunikation ist kein spezieller Designer-Wettbewerb, sondern offen für Studenten aller Fachrichtungen. Man misst sich also fächerübergreifend. Dadurch rückt die Grundidee hinter dem Konzept stärker in den Mittelpunkt.

Überrascht hat uns, wie aufgeschlossen die Jury für experimentelle Ideen ist. Das kam unserem Projekt sehr entgegen."

bA: Welche Idee steckt hinter Ihrem Projekt "Räume verbinden"?
"Im Internet werden Meinungen diskutiert – in Foren, Chatrooms oder Blogs. Dabei bleiben die Leute in der Regel anonym. Sie agieren aus einer gewohnten Umgebung heraus – zuhause oder am Arbeitsplatz.

Aus dieser Umgebung wollten wir die User wieder herausholen. Was uns interessierte: Wie agieren die Leute im öffentlichen Raum? Wie kommunizieren sie dort ihre Meinung?

Genau dort setzt das Konzept 'Räume verbinden' an: Wir wollten einen Platz in der Öffentlichkeit schaffen, an dem gesellschaftliche Themen diskutiert werden können.

Ein aktuelles Beispiel: Wo soll der amerikanische Präsidentschaftskandidat Obama seine nächste Rede halten? Diese Kommunikationsplattform soll eine Schnittstelle zwischen dem reellen und dem virtuellen Raum bilden."

bA: Wie sieht das konkret aus?
"Bei unserem Experiment 'Onstreet' haben wir an verschiedenen Orten in Berlin Plakat-Wände aufgestellt. Darauf konnten Passanten mit Filzstift ihre Meinung zu einem vorgegebenen Thema hinterlassen.

Um möglichst viele Menschen anzusprechen, gerade auch Internet-User, wählten wir ein brisantes Thema: heimliche Online-Durchsuchung. Damit wollten wir das Web 2.0 sozusagen wieder auf die Strasse holen."

bA: Wie haben die Passanten reagiert?
"Zunächst abwartend, aber neugierig. Nachdem die ersten Passanten Kommentare abgegeben hatten, entwickelte sich eine Eigendynamik. Die nächsten Kommentare reagierten dann gezielt auf die vorherigen Meinungen.

Daraus ergab sich eine Diskussion, wie sie auch in Internetforen zu finden ist. Es bildeten sich sogar Gruppen, die anfingen, über das Thema zu diskutieren. Nach 24 Stunden waren die ersten Tafeln bereits voll geschrieben."

bA: Wie kann so ein Kommunikationskonzept in der Zukunft genutzt werden?


"Wir steuern mit unserem Konzept sicher nicht auf eine Basisdemokratie zu. Ein 'Meinungsbarometer' in dieser Form lässt sich leicht manipulieren. Viele politische und gesellschaftliche Themen sind auch einfach zu komplex.

Es geht uns in erster Linie darum, zu zeigen, dass der öffentliche Raum auch anders als nur für Werbung genutzt werden kann – zum Beispiel um gesellschaftsrelevante Themen stärker ins Bewusstsein zu rücken.

Unser Projekt ist nur ein erster Schritt, mit dem wir den Leuten ein Forum zum Meinungsaustausch anbieten. Aber wer weiß: Vielleicht entsteht ja in einigen Jahren in vielen Städten so ein Ort der Öffentlichkeit."

biz-AWARDS dankt für das Interview. (aw)

Zum Wettbewerb
Noch bis zum 30. Juli 2008 können Studenten aller Fachbereiche aus ganz Deutschland ihr Interesse für die Teilnahme bekunden. Die Bewerbung mit einem kurzen Exposé sollte die Veranstalter bis zum 30. September 2008 erreichen.

Weitere Informationen erhalten Sie im Wettbewerbseintrag.

Zu den Websites von Falk von Zobeltitz und Marius Bell.

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