Existenzgründung
Die Finanzkrise und die Konjunkturschwäche sind in aller Munde. Doch welche Auswirkungen haben sie auf das Internet und Start-ups? Das Blog netzwertig hat sich auf die Suche nach Antworten begeben.
Die Blog- und Web 2.0-Szene verhalte sich beim Thema Finanzkrise bisher auffällig ruhig, so Autor Martin Weigert.
Risiken oder Chancen – oder beides
Dass die globale Konjunkturschwäche die Web-Gemeinschaft treffen werde, sei unstrittig. Doch in welchem Ausmaß?
Weigert führte daher eine Analyse der Zukunftsaussichten für Onlinedienste und das Web 2.0 durch. Das Ergebnis: Aus den aktuellen Geschehnissen ließen sich "sowohl Risiken als auch Chancen für das Web 2.0 entnehmen".
Die Risiken
Folgende Risiken könnten auf die Start-ups zurollen:
1. Sinkende Werbebudgets
Bei stagnierender oder schrumpfender Wirtschaft gehöre das Marketingbudget zu den ersten Posten, an denen gekürzt wird. Eine mögliche Folge: geringere Etats für Werbe-Maßnahmen.
Für viele Startups sei Onlinewerbung aber die Haupteinnahme-Quelle. Die selbst gesteckten Umsatzziele könnten somit erheblich schwieriger zu erreichen sein.
2. Kaufkraft-Schwund
Schwächelt die Konjunktur weiter, werden sich Verbraucher laut Weigert mit größeren Ausgaben zurückhalten und eher sparen.
Beides treffe neben dem stationären Handel auch den E-Commerce und andere Webanbieter, die kostenpflichtige Services offerieren.
3. Erschwerte Kapitalbeschaffung
In Folge der Finanzkrise schauten Investoren genauer hin, ob sich eine Investition lohne oder nicht. Grund: Größere Ausfälle würden die Investoren schwerer belasten als bisher.
Die Folge: Die Risikobereitschaft von Investment-Firmen und Business Angels werde sinken und für Gründer der Zugang zu Fremdkapital dadurch schwieriger.
4. Schließungswelle
Weigert zufolge werden Investoren auch bei existerenden Web-Unternehmen künftig noch genauer prüfen, ob sie nach der ersten Finanzierungsrunde erneut Geld in einen Online-Service stecken.
Im schlimmsten Falle entschieden sie sich dagegen, etwa aufgrund eines fehlenden Geschäftsmodelles. Daher drohe dem Web 2.0 eventuell eine Schließungswelle.
Die Chancen
Wo Risiken sind, da liegen auch Chancen – sogar bei einer Finanzkrise.
1. Onlinewerbung als Fels in der Brandung
Die Onlinewerbung wachse und sei nach einem Bericht von Werben und Verkaufen auf dem Weg, zur drittwichtigsten Disziplin im Mediamix von Unternehmen zu werden.
Das heiße für die Zukunft: Viele Firmen würden ihre Budgets Richtung Web umschichten – weil dort ein großer Teil der attraktiven Zielgruppe immer mehr Zeit verbringe.
Zudem lasse sich der Werbeerfolg im Web besser messen und optimieren. Das komme dem Controlling der Marketing-Abteilungen entgegen.
2. Fokussierung auf Geschäftsmodell
"Ein kühleres wirtschaftliches Umfeld könnte [Start-ups] dazu animieren, ihre Geschäftsmodelle zu überprüfen und zu überarbeiten, um sie fit für schwierigere Zeiten zu machen", so Weigert.
Dazu gehöre auch, sich auf seine Kernkompetenzen zu konzentrieren, unnötige Funktionen zu entfernen und die Kostenstruktur anzupassen.
3. Hier sind die Talente
Die Pleiten in der Finanzbranche nebst Entlassungen zwängen viele Talente, sich neue Betätigungsfelder zu suchen.
Start-ups biete sich daher eine ideale Möglichkeit, hochkompetente und erfahrene Leute zu engagieren.
4. Mehr Zeit fürs Web
Eine weitere Chance: Verbraucher verbrächten mehr Zeit im Netz, da sie am Ausgehen usw. sparten.
Die Veränderung der Mediennutzung könnte sich dadurch beschleunigen – und Web-Dienste von der zusätzlichen Aufmerksamkeit profitieren.
5. Web 2.0-Einsatz in Unternehmen
Web-Services bieten laut Weigert Unternehmen die Chance, kostenintensive Prozesse auszulagern und so Kosten zu sparen.
Auslandsgespräche und -konferenzen könnten beispielsweise über Skype abgewickelt werden. Oder man nutze Cloud-Computing-Spezialisten. Ein möglicher weiterer Nebeneffekt: höhere Produktivität und Flexibilität.
Das Fazit
Martin Weigerts Schlussfolgerung: Das Web werde von den Folgen der Finanzkrise und des weltweiten konjunkturellen Abschwungs getroffen. Doch als Wachstumsbranche habe es einer schwachen Wirtschaftslage mehr entgegenzusetzen als andere Branchen.
Das heiße für Start-ups, sich schnellstmöglich für turbulentere Zeiten in Form zu bringen. Eine Konsolidierung des Web-Marktes werde es in jedem Fall geben – mit oder ohne Finanzkrise. Wer gut gerüstet sei, könne am Ende profitieren.
(mb)
Links
• Webtipp von Martin Weigert: The Financial Crisis: A Survival Guide for Startups
• Xing-Chef ist der wichtigste deutsche Web-Gründer
• Social Communities bei Investoren beliebt
Die Auswirkungen der Finanzkrise auf Internet-Start-ups

Verlieren Start-ups den Anschluss infolge der Finanz-Krise? (Foto: Sonja Winze / PIXELIO)
Die Blog- und Web 2.0-Szene verhalte sich beim Thema Finanzkrise bisher auffällig ruhig, so Autor Martin Weigert.
Risiken oder Chancen – oder beides
Dass die globale Konjunkturschwäche die Web-Gemeinschaft treffen werde, sei unstrittig. Doch in welchem Ausmaß?
Weigert führte daher eine Analyse der Zukunftsaussichten für Onlinedienste und das Web 2.0 durch. Das Ergebnis: Aus den aktuellen Geschehnissen ließen sich "sowohl Risiken als auch Chancen für das Web 2.0 entnehmen".
Die Risiken
Folgende Risiken könnten auf die Start-ups zurollen:
1. Sinkende Werbebudgets
Bei stagnierender oder schrumpfender Wirtschaft gehöre das Marketingbudget zu den ersten Posten, an denen gekürzt wird. Eine mögliche Folge: geringere Etats für Werbe-Maßnahmen.
Für viele Startups sei Onlinewerbung aber die Haupteinnahme-Quelle. Die selbst gesteckten Umsatzziele könnten somit erheblich schwieriger zu erreichen sein.
2. Kaufkraft-Schwund
Schwächelt die Konjunktur weiter, werden sich Verbraucher laut Weigert mit größeren Ausgaben zurückhalten und eher sparen.
Beides treffe neben dem stationären Handel auch den E-Commerce und andere Webanbieter, die kostenpflichtige Services offerieren.
3. Erschwerte Kapitalbeschaffung
In Folge der Finanzkrise schauten Investoren genauer hin, ob sich eine Investition lohne oder nicht. Grund: Größere Ausfälle würden die Investoren schwerer belasten als bisher.
Die Folge: Die Risikobereitschaft von Investment-Firmen und Business Angels werde sinken und für Gründer der Zugang zu Fremdkapital dadurch schwieriger.
4. Schließungswelle
Weigert zufolge werden Investoren auch bei existerenden Web-Unternehmen künftig noch genauer prüfen, ob sie nach der ersten Finanzierungsrunde erneut Geld in einen Online-Service stecken.
Im schlimmsten Falle entschieden sie sich dagegen, etwa aufgrund eines fehlenden Geschäftsmodelles. Daher drohe dem Web 2.0 eventuell eine Schließungswelle.
Die Chancen
Wo Risiken sind, da liegen auch Chancen – sogar bei einer Finanzkrise.
1. Onlinewerbung als Fels in der Brandung
Die Onlinewerbung wachse und sei nach einem Bericht von Werben und Verkaufen auf dem Weg, zur drittwichtigsten Disziplin im Mediamix von Unternehmen zu werden.
Das heiße für die Zukunft: Viele Firmen würden ihre Budgets Richtung Web umschichten – weil dort ein großer Teil der attraktiven Zielgruppe immer mehr Zeit verbringe.
Zudem lasse sich der Werbeerfolg im Web besser messen und optimieren. Das komme dem Controlling der Marketing-Abteilungen entgegen.
2. Fokussierung auf Geschäftsmodell
"Ein kühleres wirtschaftliches Umfeld könnte [Start-ups] dazu animieren, ihre Geschäftsmodelle zu überprüfen und zu überarbeiten, um sie fit für schwierigere Zeiten zu machen", so Weigert.
Dazu gehöre auch, sich auf seine Kernkompetenzen zu konzentrieren, unnötige Funktionen zu entfernen und die Kostenstruktur anzupassen.
3. Hier sind die Talente
Die Pleiten in der Finanzbranche nebst Entlassungen zwängen viele Talente, sich neue Betätigungsfelder zu suchen.
Start-ups biete sich daher eine ideale Möglichkeit, hochkompetente und erfahrene Leute zu engagieren.
4. Mehr Zeit fürs Web
Eine weitere Chance: Verbraucher verbrächten mehr Zeit im Netz, da sie am Ausgehen usw. sparten.
Die Veränderung der Mediennutzung könnte sich dadurch beschleunigen – und Web-Dienste von der zusätzlichen Aufmerksamkeit profitieren.
5. Web 2.0-Einsatz in Unternehmen
Web-Services bieten laut Weigert Unternehmen die Chance, kostenintensive Prozesse auszulagern und so Kosten zu sparen.
Auslandsgespräche und -konferenzen könnten beispielsweise über Skype abgewickelt werden. Oder man nutze Cloud-Computing-Spezialisten. Ein möglicher weiterer Nebeneffekt: höhere Produktivität und Flexibilität.
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