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Gründerwettbewerb – Mit Multimedia erfolgreich starten

Der zähe Kampf für die maßgeschneiderte Zeitung

Prof. Detlef Schoder (Foto: medien- innovation.com)
13.11.2006 | Seit den 1990er Jahren will Detlef Schoder eine individuelle Zeitung verkaufen. Er scheitert erst an den Verlagen und dann am Platzen der IT-Blase. 2004 gelingt ihm mit der Gründung der medieninnovation.com der wichtigste Schritt zur Umsetzung seines Vorhabens.

Im Interview mit biz-AWARDS spricht der Gründer und Professor für Wirtschaftsinformatik an der Universität Köln über die Idee zur Idee, die ersten Schritte nach der Gründung und die Erfolgsformel für den Sieg in der zweiten Runde des Gründerwettbewerbs - Mit Multimedia erfolgreich starten".

Meine persönliche Zeitung

Über die medieninnovation.com will Schoder ein Informationsmedium anbieten, dass nach den Wünschen der Leser zusammengestellt wird. Auf Basis einer patentierten Technologie werden Informationen aus Zeitungen und Zeitschriften mit Artikeln aus einer eigenen Redaktion und dem Angebot der Internetwelt verschmolzen.

Am Ende steht für jeden Abonnenten eine maßgeschneiderte Zeitung zur Verfügung, die entweder gedruckt oder über das Internet bezogen werden kann. Nach einer Studie des Instituts für Entrepreneurship an der Wirtschaftsuniversität Wien liegt das Marktpotenzial der Innovation bei 1,18 Milliarden Euro, allein im deutschsprachigen Raum.

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Idee entwickelt, verworfen und wieder aufgenommen

Die Idee zu einer individuellen Zeitung hatte Detlef Schoder bereits in den 1990er Jahren, "doch sie war ökonomisch noch nicht tragfähig. Die Leser waren zum Teil begeistert und hätten sogar 14 Prozent mehr für die Zeitung bezahlt. Aber Verlage und Medienhäuser wollten nicht in neue, finanzkritische Ideen investieren und die Journalisten fühlten sich unwohl bei der Idee einer automatisierten Zusammenstellung einer Zeitung"

Erst mit dem neuen Jahrtausend und dem Aufstieg des Internets wurde die Umsetzung der Idee wieder interessanter und die Vorstellungen Schoders immer konkreter: "2001 sagte ich mir, ich möchte eine eigene persönliche Zeitung haben, nur für mich und nach meinen Wünschen. Also verfasste ich zusammen mit meinem Kompagnon Stefan Sick die grundlegende Konzeption und strebte die ersten Patente an."

Mit dem Platzen der IT-Blase musste das Team sein Projekt wieder für 1-2 Jahre auf Eis legen. Erst 2004 herrschte in Deutschland wieder so viel Innovationslaune, dass Schoder und Sick die Gründung in Angriff nahmen. "Wir haben den Businessplan in den ersten Grundzügen aufgeschrieben und die ersten Finanzierungsschritte durchdacht."

Drei Kanäle der Entwicklung

Von Anfang an setzte das Team dabei auf drei Kanäle, die das Projekt vorantreiben sollen und den Aufbau des Businessplans bestimmen.

"Erstens verfolgen wir einen wissenschaftlichen Strang, der sich mit der massenhaften Individualisierung – im Fachjargon Mass Customization – beschäftigt und an der Uni Köln einen eigenen Forschungsbereich hat. Der zweite, wirtschaftliche Strang behandelt die Fragen zur Finanzierung und technischen Umsetzung", sagt Schoder gegenüber biz-AWARDS.

Als dritter Kanal und Verbindung zwischen den beiden ersten Elementen fungiert das Förderprogramm EXIST-SEED des BMWi. EXIST unterstützt Gründer aus Hochschulen bei der Umsetzung ihrer Gründungsidee in einen Businessplan. "Das Programm hilft uns vor allem bei der Erstellung des Businessplans", so Schoder.

Der Businessplan als lebendes Dokument

"Die Fragmente für den Businessplan waren zwar schon im Zuge der Patentanmeldung vorhanden. Aber erst das Förderprogramm gibt uns mehr Möglichkeiten und Informationen, diesen wirklich auszubauen und voranzutreiben. Seit dem Gründungsbeginn 2004 ist unser Businessplan ein living document. Ein latenter Prozess der Gestaltung, der ständig weiter entwickelt wird", sagt Schoder. "Der zeitliche Aufwand ist sehr groß. In den Anfängen saßen zwei Leute ständig an der schriftlichen Fixierung und Entwicklung des Plans, fünf bis sechs am Konzept und dessen Umsetzung."

Ein Teil des Businessplans wurde über eine 6-monatige Diplomarbeit erarbeitet, wie Schoder weiter schildert. "Zum Grundkonzept kommen ja Gliederungspunkte wie zum Beispiel die Finanzierung. Das gab ein ordentliches und prima Thema für eine Diplomarbeit ab. Auch Themen wie die technische Umsetzung können sicherlich in einer Studienarbeit gelöst werden."

Insiderwissen für die Finanzplanung

Für eine vernünftige Finanzplanung reicht eine Diplomarbeit aber nicht. "Neben Grundkosten gehören zum Beispiel auch Kosteneffekte, erweiterte Sortimente, Personalkosten und die benötigte Technik mit hinein", sagt Schoder.

Um plausible Annahmen für die Kosten treffen zu können, wird sehr intensiv recherchiert. "Da wir uns in einem neuen Feld bewegen, brauchen wir vor allem Insiderwissen. Über mehrere Wochen und Monate versuchten wir zum Beispiel, die günstigsten Tarife für postähnliche Dienstleistungen zu ermitteln, zum Beispiel für den Versand. Das war gar nicht so einfach, denn für unsere Art des individualisierten Zeitungsdruckes gibt es bisher keine genauen Definitionen vergleichbar den gängigen Druckformen- und -formaten. Wir rechnen also zum großen Teil mit Schätzwerten."


Förderung strafft den Zeitablauf

Mit den Ressourcen der Seed-Förderung konnte der Zeitbedarf der Businessplanerstellung laut Schoder deutlich gestrafft werden. "Es ist ähnlich wie bei einem Reifenwechsel in der Formel 1. Mit 24 Mann geht es in 7 Sekunden, mit weniger Leuten dauert´s eben auch länger."

Auch finanziell half die Förderung, wie der Professor biz-AWARDS erzählt. "Trotzdem benötigen wir als Gründer für die Finanzierung sehr viel Kapital. Das floss bisher zum Teil aus dem eigenen privaten Geldbörsen. Investiert haben wir sicherlich schon geldwerte Leistungen im sechsstelligen Bereich. Bei den direkt eingeflossenen Geldern sind wir bei fünfstelligen Euro-Summen."

Testen der Möglichkeiten


Mit einer Markteinführung rechnet Schoder in etwa 1 ½ Jahren. "Wir sind noch am ausbalancieren, was technisch notwendig ist und wie wir es finanzieren. Bis zur Realisierung des gesamten Projekts inklusive Technik und Marketing werden sicherlich noch mal Kosten von einer halben Million Euro dazu kommen."

Derzeit ist medieninnovation.com noch eine GbR, soll aber bei guter finanzieller Entwicklung bald in eine GmbH umgewandelt werden. Um die Finanzierung zu sichern, sucht medieninnovation.com daher verstärkt nach Risikokaptalgebern. "Unser Angebot ist sicher für große Medienhäuser, Onlinemedien oder ausländische Investoren und Pressegruppen interessant, die einen Einstieg in das deutsche Mediengeschäft suchen", glaubt Schoder.

"Das gilt ebenso für Unternehmen, die bereits über größere Kundendatenbestände verfügen und nun die Chancen der Individualisierung etwa in Form individuell aufbereiteter Kundenzeitschriften realisieren wollen."

Dass die Suche nach Sponsoren so lange dauert, liegt laut Schoder unter anderem "am limitierten Seed-Markt in Deutschland. Es gibt zwar viele Business-Angels in Deutschland, aber wir hinken in Volumen und Investitionsbereitschaft immer noch hinterher. In den USA oder Großbritannien ist das anders."

Hier gibt es eine Probeversion der Zeitung als PDF.



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