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StartUp-Wettbewerb Bremen 2006

Ein Film für ein Leben

Michael Osterhoff
16.08.2006 | Michael Osterhoff macht Filme über Menschen und ihr Leben. Dafür hat die Sparkasse Bremen ihn und seine Firma, die Biographica Filmproduktion, zum Landessieger beim StartUp-Wettbewerb 2006 gekürt.

Meist sind es Kinder und Enkelkinder, die auf Osterhoff zukommen, sich für das Leben ihrer Eltern interessieren oder auf der Suche nach einem exklusiven Geburtstags- oder Jubiläumsgeschenk sind.

18 Biographiefilme hat Osterhoff in den letzten 2 ½ Jahren produziert. "Um Licht, Ton und Kamera kümmere ich mich selbst, damit es so authentisch und nahe wie möglich ist", erzählt Osterhoff gegenüber biz-AWARDS.

Seine Filme bestehen zu 80 Prozent aus Interviewmaterial. Dieses wird mit Fotografien und alten Dokumenten hinterlegt. "Das soll helfen, sich wirklich vorzustellen, wie die Person mit 14 aussah."

Erzähl dein Leben...

"Das spannendste ist doch echte gelebte Geschichte: Wo man echte Tränen zu sehen bekommt, echte Stimmen und echtes Lachen."

Tränen fließen vor allem bei Erinnerungen an den Krieg, wie Osterhoff berichtet: "Einer erzählte, dass er kurz nach dem Krieg mit Typhus im Krankenhaus lag. Als er während seines Krankenhausaufenthaltes einmal kurz auf das Gelände ging, um frische Luft zu holen, sah er seine Mutter, mit einem Glas Marmelade in der Hand am Zaun stehen. Das war das einzige, was sie damals hatte, und sie brachte es ihm, um ihm irgendwie dabei zu helfen, wieder gesund zu werden."

Bei der Produktion selbst entstehe durch den häufigen Platz- und Ortswechsel innerhalb der Wohnung des Kunden ein offenes Gespräch, in dem auch der Garten, der Hobbykeller, das Geburtshaus oder die ehemalige Schule als Drehort dienen können – Orte an denen sich das Leben abgespielt hat, erklärt Osterhoff.

Ein Film dauert 60 bis 90 Minuten und erzählt von der Vergangenheit, der Gegenwart und der Zukunft: "Wenn es um die Zukunft geht, kommen häufig Lebensweisheiten zur Sprache, die meine Kunden ihren Enkelkindern mit auf den Weg geben."

Hier spielen Kriegserlebnisse eine große Rolle: "Meine Gesprächspartner betonen regelmäßig, dass man sich nie wieder so in die Irre leiten lassen solle wie die Menschen damals unter Hitler."

Für viele sei dieser Teil des Filmes eine Möglichkeit, in einer Art Vermächtnis mitzuteilen, was sie sich zum Beispiel in Fällen zukünftiger Pflegebedürftigkeit wünschen, erklärt Osterhoff. "Ein großer Wunsch ist auch, dass die Familie intakt bleibt und es keinen Streit über das Erbe gibt."

Nicht nur für Privatpersonen, sondern auch für Unternehmer kann es wichtig sein, den eigenen Lebensweg zu erklären: "Das Leitbild eines Unternehmens lässt sich von biographischen Ereignissen ganz gut ableiten. Ein Unternehmen steht und fällt mit seinem Gründer", erklärt Osterhoff. Gerade daher sei es für Unternehmer wichtig ihr Leben darzustellen. "Die sind dann froh, wenn für die Nachfolger etwas existiert, das zeigt, was das Unternehmen ausmacht."

StartUp-Sieg als PR-Zugpferd

Die Biographica Filmproduktion ist eine der ersten Firmen, die Biographiefilme für Privatleute angeboten hat. "Das war den wenigsten bekannt, dass es so etwas überhaupt gibt. Durch den Gewinn des Wettbewerbs sind jetzt auch viel mehr Leute auf mich und meine Arbeit aufmerksam geworden. Die Klicks auf der Homepage meines Unternehmens haben sich dadurch verdoppelt. Die Presse und die Publicity haben mir dabei sehr geholfen."

Auch die Internationale Organisation für Migration interessiert sich für die Biographica Filmproduktion. Im Auftrag der europäischen Kommission sollen Migrationsbiographien gedreht werden, an deren Produktion Osterhoff maßgeblich beteiligt sein soll.



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