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Home > Engagement > Nachrichten > Ein Wunsch stirbt – und wird wiedergeboren Die blinde Musikerin Alexandra Klein findet ein neues Leben
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Integrationspreis des Saarlandes: Chancen für alle im ArbeitslebenEin Wunsch stirbt – und wird wiedergeboren Die blinde Musikerin Alexandra Klein findet ein neues Leben  Lebt für die Musik: Alexandra Klein (Foto: Eva-Maria-Werner) 08.09.2008 | Noten sind ihr Leben – doch sehen kann sie sie nicht: Alexandra Klein ist seit ihrem 17. Lebensjahr blind. Am Musizieren und Musik lehren hindert sie das aber nicht – eher im Gegenteil: Ihr Musik-Leben bewältigt sie mit Herz und Engagement.
Dafür wurde sie ausgezeichnet mit dem "Integrationspreis des Saarlandes: Chancen für alle im Arbeitsleben 2008".
"Musik war von frühauf Bestandteil meines Lebens", sagt die 36-jährige aus St. Wendel zu biz-AWARDS. Die ganze Familie sei musikalisch: Ihr Großvater habe schon gesungen, ihr Vater Gesang studiert und ihre jüngere Schwester spiele ebenfalls Instrumente. Auch Alexandra Klein verfiel der Musik bereits in frühen Jahren und wollte später Musikerzieherin werden.
Am NullpunktWas sie nicht wusste: Seit ihrer Geburt leidet sie an einer frühkindlichen Gehirnschädigung, die sie mit 17 Jahren erblinden lässt.
Für die Musik-begeisterte junge Frau ein Schock: "Den Realschulabschluss schaffte ich noch. Doch dann war ich am Nullpunkt meines Lebens. Mit der Erblindung starb mein Traum nach einer Ausbildung als Musikerzieherin."
Eine Blinde könne den Beruf einer Musikerzieherin gar nicht ausüben, dachte sie. Alexandra Klein findet sich damit ab, die für Blinde "typische Berufsausbildung" Klavierstimmerin anzugehen. "Das war scheinbar die einzige Möglichkeit für mich, wenigstens noch 'etwas' mit Musik zu tun zu haben." Doch es kam anders.
Die Hoffnung stirbt zuletztÜber das Arbeitsamt kommt sie in Kontakt mit der Berufsfachschule für Musik für Blinde in München (heute in Nürnberg, Anm. d. Red.). Diese kann Alexandra Klein eines anbieten: eine Ausbildung zur Musiklehrerin!
Aufgrund ihrer musikalischen Vorbildung als "Sehende" sei sie dazu geeignet. Und sie könne es schaffen. Alexandra Klein kann es nicht fassen. Und sie ergreift ihre Chance.
 Freude zum Hören und Sehen: A. Klein zusammen mit einer Schülerin. (Foto: A. Klein) Auf in die SelbständigkeitSie lernt an der Berufsfachschule Musikerziehung für Blockflöte, Klavier sowie Chorleitung und schließt ihrer Lehre ab 1994 ein Studium der Musikerziehung in Saarbrücken an.
Während ihrer Ausbildungszeit lernt sie viele junge Musikschüler kennen, die sie nie aus den Augen verliert: "Trotz meiner Blindheit war und bin ich bereit, viel herumzufahren. Mit der Zeit hat sich so einen Stamm an Schülern aufgebaut, die ich immer noch betreue", sagt Alexandra Klein.
Sie sei quasi automatisch in eine Selbständigkeit gerutscht, die sich durch Mundpropaganda und eigene Auftritte fast von selbst erhalte. 1999 ist sie sich sicher: Sie meldet ihre Selbständigkeit an – noch während des Studiums.
Blinde ÖffentlichkeitAls selbständige Dipl.-Musiklehrerin unterrichtet Klein ab 2000 an den Musikschulen Lebach und Obere Saar auf Honorarbasis. Auch nebenberuflich ist sie als katholische C-Kirchenmusikerin in ihrer Heimatpfarrei aktiv.
Doch die Arbeit mit den zum Teil mehrfach behinderten Musik-Schülern und die Schwierigkeiten als blinde Musiklehrerin nimmt kaum einer wahr. "Als blinde Berufsmusikerin kommt man nur schwer zu Blindennoten. Bisher wurden die Schwarzschriftnoten in Amsterdam in Blinden-Notenschrift umgesetzt. Heute habe ich ein PC-Programm, mit dem ich die Noten selbst übertragen kann – eine große Erleichterung. Das Auswendiglernen bleibt."
Auch die Selbständigkeit bleibt ein Risiko: Es sei ungleich schwerer, sagt die Musiklehrerin, als schwerbehinderter Mensch die Leistung zu vollbringen, sich beruflich selbständig mit behinderten und nichtbehinderten Menschen zu beschäftigen.
Sehende IntegrationErst auf der 80-Jahr-Feier des Blindenvereins Saar im Oktober 2006 erhält Alexandra Klein mehr Aufmerkamkeit. Den damaligen Sozialminister Hecken beeindruckt die Musik der blinden Frau.
Er besucht die Weihnachtsfeier des Vereins und lädt die blinde Musiklehrerin in sein Büro ein. "Er wollte mich einfach mal kennenlernen, weil ihm unbekannt war, dass es auch blinde professionelle Musiker gibt."
Im April 2007 treffen sie sich und verstehen sich auf Anhieb. Hecken schlägt Klein eine Teilnahme beim Integrationspreis vor. Sie bewirbt sich – auch mit dem Ziel, die Öffentlichkeit wachzurütteln.
Trotzdem macht Klein ihre Bewerbung zunächst nicht öffentlich.
 Musik für Kleine und Große: Alexandra Klein beim Vorspielen vor Schülern. (Foto: A. Klein) Eine Fanfare zu WeihnachtenSo vergeht die Zeit bis Weihnachten 2007, ohne dass etwas wegen der Bewerbung passiert.
Bis Alexandra Klein am Morgen des Heiligabends von ihrer Familie zum Frühstück begrüßt wird – mit einer Fanfare: "Was ist denn jetzt los, hab ich erst gedacht. Dann sagten alle zusammen: Du hast den Preis gewonnen. Und da habe ich mich nur noch gefreut."
Der Preis gibt ihr neuen Mut und Tatendrang: "Ich bin als erste Einzelperson geehrt worden, die schwerbehindert ist. Das hat mir für meine Selbständigkeit neues Selbstbewusstsein gegeben – und neue Zuversicht, meine begonnene Arbeit fortzusetzen."
Ihre Arbeit sei endlich ein bisschen bekannter. "Man hat mich gesehen", sagte sie in ihrer Dankesrede bei der Preisverleihung. Und es melden sich immer noch neue Schüler bei ihr, auch wenn die Preisverleihung schon länger zurückliegt. "Und das einfach nur, weil ich mich in meinem Leben engagiere."
(mb)
Hinweis
Alexandra Klein wurde aufgrund ihres Preises in den vergangenen Wochen von einem Fernsehteam des ZDF Saarland begleitet. Der Beitrag dazu soll ab dem 20. September 2008 im ZDF Infokanal gesendet werden.
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