Förderpreis Aktive Bürgerschaft
In einer feierlichen Verleihung im Forum der DZ BANK am Brandenburger Tor in Berlin überreichte Bundespräsident Horst Köhler am Abend des 20. März 2007 den "Förderpreis Aktive Bürgerschaft 2007". Gewinner des bundesweiten Wettbewerbs ist die Bürgerstiftung Berlin. Den zweiten Preis teilen sich die Bürgerstiftung Braunschweig und die Bürgerstiftung Ratzeburg.
Der Preis stand in diesem Jahr unter dem Motto "Integration von Zuwanderern".
Die dazu abgelieferte Arbeit der Bürgerstiftung Berlin hatte die Jury am meisten beeindruckt: Mit Projekten wie dem zweisprachigen Bilderbuchkino oder dem Vorlese-Projekt "LeseLust" fördert die Stiftung Kinder mit Migrationshintergrund sowie ihre Eltern beim Spracherwerb.
Die Autorin Dilek Güngör, die die Stiftung als Lesepatin unterstützt, erklärte in ihrer Laudatio: "Natürlich geht es bei LeseLust und dem Bilderbuchkino um Sprache, aber zuallererst geht es um Geschichten".
Die Kinder würden ganz nebenbei, "fast unbemerkt, wie Nachts im Traum" lernen, während sie sich in eine Wolldecke kuscheln oder an eine Lesepatin lehnen können.
Sprachkenntnisse fördern und fordern
Dass gerade in der Sprachförderung von Zuwanderern noch einiges nachzuholen sei, darüber waren sich in der Podiumsdiskussion zum Thema "Zuwandererkarrieren" die Experten einig: Dr. Kurz Anschütz, Geschäftsführer der Bürgerstiftung, Neukölln, Dr. Adam Soboczynski, Autor und Redakteur DIE ZEIT, Otto Schily, Mitglied des Bundestages und Bundesminister a.D., Prof. Dr. Pakize Schuchert-Güler, Fachhochschule für Wirtschaft, Berlin, und Prof. Dr. Klaus Bade, Institut für Migrationsforschung und Interkulturelle Studien (IMIS) in Osnabrück.
Prof. Dr. Klaus J. Bade bemerkte: "In der Integrationspolitik gibt es Hindernisse und Versäumnisse auf beiden Seiten."
So würden Zuwanderer zum Einen das Erlernen der Sprache versäumen, während "auf unserer Seite der Spracherwerb auch an Schulen zu wenig gefördert wird." Die "planmäßige Unterforderung" könne allerdings nicht nur durch Schulförderung ein Ende finden: "Wir müssen auch die erreichen, die längst aus der Schule raus sind."
Der deutsch-polnische Autor und ZEIT-Redakteur Dr. Adam Soboczynski kam als Siebenjähriger mit seinen Eltern von Polen nach Deutschland. "Für mich war Sprache eher ein Geräusch", erinnert er sich an seine erste Zeit in der Schule. "Bei dem ersten Diktat, das ich schreiben musste, habe ich mich immer gewundert, warum dieses eine Wort so oft vorkommt. Es war das Wort: "Komma". Ich habe das jedes Mal ausgeschrieben."
Vielfalt ist selbstvertändlich
Auch die Frage nach der Identität wurde diskutiert. So wurde Soboczynski vor dem WM-Spiel Deutschland – Polen immer wieder gefragt, für wen er eigentlich sei. "Das hängt vom Spielverlauf ab", war seine Antwort. "Man lebt so selbstverständlich damit, dass man zwei Identitäten hat, dass die Diskussion künstlich wirkt."
Die Autorin Dilek Güngör erinnert sich in ihrer Laudatio an ähnliche Fragen: "Schon als kleines Mädchen wurde ich gefragt, ob ich auf deutsch oder türkisch träume. Ich sage immer: Ich weiß nicht." Man könne das Eine und das Andere sein. "Die Vielfalt hat ganz selbstverständlich Platz im Leben."
Dr. Kurt Anschütz von der Bürgerstiftung Berlin Neukölln lenkte den Blick auch auf Migranten, die noch nicht angekommen sind: "Das Problem ist nicht, dass Menschen eine oder zwei Identitäten haben, sondern dass sie zwei halbe haben."
Preis macht Mut
Der Preis soll auch anderen Bürgerstiftungen als Ansporn dienen. "Es ist die gemeinsame Idee, die wir fördern wollen", so Dr. Peter Hanker, Vorstandsvorsitzender des Veranstalters Aktive Bürgerschaft, in seiner Rede zum Wettbewerb.
Die diesjährigen Gewinner freuten sich vor allem über den symbolischen Wert des Preises: "Gerade in diesem Bereich ist man froh über jedes Lob", so Uta Jankowsky, Mitarbeiterin der Berliner Stiftung. "Die Preisverleihung und auch die Laudatio hat uns sehr gerührt und gibt uns Mut weiterzumachen."
Gefreut hat sich Uta Jankowsky darüber, dass auch die weiteren Gewinner den Fokus auf Sprachförderung legten: "Sprache ist der Schlüssel zur Integration und da freut es natürlich, dass an diese Stelle auch andere anzupacken versuchen."
Zwei weitere Stiftungen teilen sich den zweiten Preis
Die Bürgerstiftung Braunschweig beeindruckte die Jury mit ihrem Pilotprojekt für die Integration von Grundschülern mit Migrationshintergrund. Auch hier wird die Sprachfähigkeit gefördert, aber auch die Sozialkompetenz und Toleranz sowie individuelle Begabungen und Kreativität.
Die Bürgerstiftung Ratzeburg widmet sich ebenfalls dem Thema Integration. Das Integrationsprojekt "KORPO" unterstützt Kinder im Alter von 5 – 12 Jahren. Hier werden etwa 70 ausländische und einheimische Kinder von Ehrenamtlichen bei den Hausaufgaben, beim Basteln und beim Sport unterstützt.
Bürgerstiftungen verändern die Gesellschaft
Der Vorstandsvorsitzende der Aktiven Bürgerschaft, Dr. Peter Hanker hofft, dass auch weitere Stiftungen dem Beispiel der diesjährigen Sieger folgen werden. Bürgerstiftungen würden die Gesellschaft im Kleinen verändern, so Hanker. Meist seien es Privatleute oder mittelständische Unternehmen, die sich ehrenamtlich für ihre Mitmenschen einsetzen.
Gerade von diesen ehrenamtlichen Handlungen lebt unsere Gesellschaft laut Otto Schily, Mitglied des deutschen Bundestages und Gesprächsteilnehmer an der Podiumsdiskussion: "Müssten diese Leistungen alle bezahlt werden, würde unsere Wirtschaft zusammenbrechen."
Geschichten erzählen und Sprache fördern

Die Bürgerstiftung Berlin - Gewinner des Förderpreises. Foto: Christof Rieken
Der Preis stand in diesem Jahr unter dem Motto "Integration von Zuwanderern".
Die dazu abgelieferte Arbeit der Bürgerstiftung Berlin hatte die Jury am meisten beeindruckt: Mit Projekten wie dem zweisprachigen Bilderbuchkino oder dem Vorlese-Projekt "LeseLust" fördert die Stiftung Kinder mit Migrationshintergrund sowie ihre Eltern beim Spracherwerb.
Die Autorin Dilek Güngör, die die Stiftung als Lesepatin unterstützt, erklärte in ihrer Laudatio: "Natürlich geht es bei LeseLust und dem Bilderbuchkino um Sprache, aber zuallererst geht es um Geschichten".
Die Kinder würden ganz nebenbei, "fast unbemerkt, wie Nachts im Traum" lernen, während sie sich in eine Wolldecke kuscheln oder an eine Lesepatin lehnen können.
Sprachkenntnisse fördern und fordern
Dass gerade in der Sprachförderung von Zuwanderern noch einiges nachzuholen sei, darüber waren sich in der Podiumsdiskussion zum Thema "Zuwandererkarrieren" die Experten einig: Dr. Kurz Anschütz, Geschäftsführer der Bürgerstiftung, Neukölln, Dr. Adam Soboczynski, Autor und Redakteur DIE ZEIT, Otto Schily, Mitglied des Bundestages und Bundesminister a.D., Prof. Dr. Pakize Schuchert-Güler, Fachhochschule für Wirtschaft, Berlin, und Prof. Dr. Klaus Bade, Institut für Migrationsforschung und Interkulturelle Studien (IMIS) in Osnabrück.
Prof. Dr. Klaus J. Bade bemerkte: "In der Integrationspolitik gibt es Hindernisse und Versäumnisse auf beiden Seiten."
So würden Zuwanderer zum Einen das Erlernen der Sprache versäumen, während "auf unserer Seite der Spracherwerb auch an Schulen zu wenig gefördert wird." Die "planmäßige Unterforderung" könne allerdings nicht nur durch Schulförderung ein Ende finden: "Wir müssen auch die erreichen, die längst aus der Schule raus sind."
Der deutsch-polnische Autor und ZEIT-Redakteur Dr. Adam Soboczynski kam als Siebenjähriger mit seinen Eltern von Polen nach Deutschland. "Für mich war Sprache eher ein Geräusch", erinnert er sich an seine erste Zeit in der Schule. "Bei dem ersten Diktat, das ich schreiben musste, habe ich mich immer gewundert, warum dieses eine Wort so oft vorkommt. Es war das Wort: "Komma". Ich habe das jedes Mal ausgeschrieben."
Vielfalt ist selbstvertändlich
Auch die Frage nach der Identität wurde diskutiert. So wurde Soboczynski vor dem WM-Spiel Deutschland – Polen immer wieder gefragt, für wen er eigentlich sei. "Das hängt vom Spielverlauf ab", war seine Antwort. "Man lebt so selbstverständlich damit, dass man zwei Identitäten hat, dass die Diskussion künstlich wirkt."
Die Autorin Dilek Güngör erinnert sich in ihrer Laudatio an ähnliche Fragen: "Schon als kleines Mädchen wurde ich gefragt, ob ich auf deutsch oder türkisch träume. Ich sage immer: Ich weiß nicht." Man könne das Eine und das Andere sein. "Die Vielfalt hat ganz selbstverständlich Platz im Leben."
Dr. Kurt Anschütz von der Bürgerstiftung Berlin Neukölln lenkte den Blick auch auf Migranten, die noch nicht angekommen sind: "Das Problem ist nicht, dass Menschen eine oder zwei Identitäten haben, sondern dass sie zwei halbe haben."
Preis macht Mut
Der Preis soll auch anderen Bürgerstiftungen als Ansporn dienen. "Es ist die gemeinsame Idee, die wir fördern wollen", so Dr. Peter Hanker, Vorstandsvorsitzender des Veranstalters Aktive Bürgerschaft, in seiner Rede zum Wettbewerb.
Die diesjährigen Gewinner freuten sich vor allem über den symbolischen Wert des Preises: "Gerade in diesem Bereich ist man froh über jedes Lob", so Uta Jankowsky, Mitarbeiterin der Berliner Stiftung. "Die Preisverleihung und auch die Laudatio hat uns sehr gerührt und gibt uns Mut weiterzumachen."
Gefreut hat sich Uta Jankowsky darüber, dass auch die weiteren Gewinner den Fokus auf Sprachförderung legten: "Sprache ist der Schlüssel zur Integration und da freut es natürlich, dass an diese Stelle auch andere anzupacken versuchen."
Zwei weitere Stiftungen teilen sich den zweiten Preis
Die Bürgerstiftung Braunschweig beeindruckte die Jury mit ihrem Pilotprojekt für die Integration von Grundschülern mit Migrationshintergrund. Auch hier wird die Sprachfähigkeit gefördert, aber auch die Sozialkompetenz und Toleranz sowie individuelle Begabungen und Kreativität.
Die Bürgerstiftung Ratzeburg widmet sich ebenfalls dem Thema Integration. Das Integrationsprojekt "KORPO" unterstützt Kinder im Alter von 5 – 12 Jahren. Hier werden etwa 70 ausländische und einheimische Kinder von Ehrenamtlichen bei den Hausaufgaben, beim Basteln und beim Sport unterstützt.
Bürgerstiftungen verändern die Gesellschaft
Der Vorstandsvorsitzende der Aktiven Bürgerschaft, Dr. Peter Hanker hofft, dass auch weitere Stiftungen dem Beispiel der diesjährigen Sieger folgen werden. Bürgerstiftungen würden die Gesellschaft im Kleinen verändern, so Hanker. Meist seien es Privatleute oder mittelständische Unternehmen, die sich ehrenamtlich für ihre Mitmenschen einsetzen.
Gerade von diesen ehrenamtlichen Handlungen lebt unsere Gesellschaft laut Otto Schily, Mitglied des deutschen Bundestages und Gesprächsteilnehmer an der Podiumsdiskussion: "Müssten diese Leistungen alle bezahlt werden, würde unsere Wirtschaft zusammenbrechen."
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